Tag 1 – Reisebericht – Windhagen (Deutschland) bis Oppeln (Polen)

An Tag 1 des Reisebericht ging es von Windhagen (Deutschland) bis nach Oppeln in Polen.

Ein paar Worte vorweg: wir möchten hier von unserer 7 wöchigen Abenteuerreise berichten welche im August und September 2019 stattgefunden hat. Auf dieser Reise haben wir jeden Tag Reisetagebuch geschrieben. Diese Erfahrungen möchten wir mit euch teilen, mal unfassbar lustige, mal traurige Geschichten und einfach viele Informationen welche euch bei eurer eigenen Reiseplanung helfen können.

Falls ihr außerdem an Angeln, Apnoe tauchen, kochen und Spearfishing interessiert seit, dann ist das genau euer Blog! Ansonsten viel Freude beim Lesen.



Von Windhagen bis nach Polen

Um 4:30 standen wir auf und packten die letzten Sachen ins Auto und ab ging es. Die ersten 300 Kilometer vergangen Dank Helge Schneider wie im Flug. Zwischen Regen und diesigem Wetter ging die Sonne auf. Kurz vor Jena entschieden wir einen Zwischenstopp einzulegen und zu meinem alten Haus zu fahren. Schon bei der Einfahrt nach Jena erkannte ich viele alte Orte meiner Jugend. Erstaunlicherweise war die Stadt wesentlich kleiner, als ich sie in Erinnerung gehalten hatte. Wir machten kurz Halt an der Beethovenstraße und meiner alten Grundschule. Von dort ging es durch die Stadt in das für seine „Schönheit“ bekannte Jena Lobeda und von dort weiter auf die Autobahn. Felix hatte uns mittlerweile bei seinem alten Studienfreund Youri angekündigt. Über den 5-spurigen Sorben Highway (eine alte Landstraße) ging es nach Cerna.

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Mama ist die Beste
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Felix und Ich auf dem Sorben-Highway

Dort fand ein Fußballtunier der örtlichen Sorben statt. Wir wurden freundlich empfangen und mit Kaffee und Kuchen überschüttet. Felix lies es sich nicht nehmen sich auf ein Landkrone Pils einladen zu lassen. Wir beobachteten gespannt das dörfliche Treiben dieser besonderen Volksgruppe.

Ein Karikaturist welcher die Volksfeste der Region ansteuerte versuchte mich mit kruden Theorien dazu zu bewegen, sich von ihm zeichnen zu lassen. Sein wundervoller, tief sächsischer Dialekt, machte die Verständigung nicht einfacher und die Verkaufsargumente nicht kräftiger. Dies hinderte ihn aber nicht daran, die gesamte Festgemeinschaft zu belagern. Weiterhin lies Felix mich in dem Glauben in ein Haus eingebrochen zu sein. Er „fand“ unter dem Fensterbrett den Schlüssel zu einem schönen Neubauhaus. Das Haus war fast schon fertig gestellt und Felix und ich weihten feierlich die Toiletten des Palastes ein. Im Haus war es so still, dass es in den Ohren dröhnte. Man konnte lediglich seinen eigenen Körper arbeiten hören. Ein seltsames Gefühl. Als wir das Haus verließen, eröffnete Felix mir, dass es sich um den Neubau seines Freundes handelte. Ich hatte mich dort sofort wohl gefühlt.

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Eingebrochen oder doch nicht?

Wir verabschiedeten uns von Youri und nahmen gegen 16:00 das nächste Ziel ins Auge: Polen.

Nach weiteren 100 Kilometern Fahrt erreichten wir die polnische Grenze. Ich hatte streng dreinblickende Grenzer erwartet, wurde aber von einer, dank der Europäischen Union, enttäuschenderweise voll offenen Grenze erwartet. Wir fuhren die ersten Meter durch Polen und schon hatte ich die polnische Sprache voll assimiliert. Tolle Worte wie Wrocław (ausgesprochen Wrozwaw) Rzeztsati oder Ayzcztstori gelangen mir in der Aussprache perfekt und Felix war mit seinem eigenen polnisch völlig überfordert. Nun schuldet er mir ein Bier, soviel ist klar (Wettschulden sind Ehrenschulden). Der schlesische Teil Polens entpuppte sich als eine gemischte Landschaft aus riesigen Werbetafeln und Nadelbäumen. Die Straße wurde gesäumt von Mercedes Schrottteilen und alten, wundervollen Häusern, welche mittlerweile zu Ruinen heruntergekommen waren. In unserer Heckscheibe versank langsam die Sonne am Horizont. Mittels des Iphones versuchten wir doch leicht panisch einen Schlafplatz für die Nacht ausfindig zu machen. Camping scheint wohl nicht der Volkssport der Polen zu sein.


Exkurs: „der gemeine Pole, Polnis vulgaris“

DER GEMEINE POLE IST 47. ER HAT EINEN HAARKRANZ WELCHER SEINE HALBGLATZE VERSPIELT UMRANDET. NEBEN DEM GEMEINEN POLEN SITZT SEIN COUSIN JAROSLAW AUF DEM BEIFAHRERSITZ. BEIDE TRAGEN DUNKLE SONNENBRILLEN UND WIEGEN EXAKT 94,3 KILOGRAMM. DIE FRAU DES POLNIS VULGARIS IST STROHBLOND UND SITZT GRUNDSÄTZLICH HINTEN RECHTS. DIES DIENT IHRER EIGENEN SICHERHEIT


Wir entschieden uns einen verlassenen See in der Nähe der Autobahn als Schlafplatz anzusteuern. Durch Forstwege rasten wir, bei beginnender Dunkelheit, verschiedenste Seen an. Nach 2x Wenden und verwirrt dreinblickenden polnischen Radfahrern hielten wir an einem See an. Die Vier verwirrten Polen wiesen uns den wunderbaren Campinggrund aus. Dieser war eine Einfahrt in eine Waldstraße. Würde der Förster kommen sollen wir einfach behaupten „wir hätten uns verfahren“. Dies würde sicher funktionieren. Der Boden war astfrei und eben. Nach 900 Kilometern Fahrt war ich froh eine schöne und ruhige Stelle gefunden zu haben. Die Frage ob es dort Wölfe in Polen gäbe, wurde unbeantwortet gelassen. Während Felix mit Hand und Fuß versuchte sich mit meinen Sprachbrüdern zu verständigen (man erinnere: Felix Polnisch-Kenntnisse sind eher rudimentär) öffnete ich mir ein Bier und die Anspannung des langen Tages und der Schlafplatzsuche vielen von mir ab. Felix schmetterte die Einladung zum Grillen ab. Zwischenzeitlich hatte sich ein Licht in der Ferne genähert. Der erste Gedanke „scheiße der Förster“ und der geübte Satz „wir wissen von Nichts“ blieben uns im Kopf und Halse stecken.

Das Licht entpuppte sich als ein Motorrad. Auf ihm saß ein Niederländer, welcher ebenfalls mithilfe der Iphone App IOverlander auf der Suche nach dem selben Schlafplatz war, welchen wir kurz zuvor mit unserem Zelt besetzt hatten. Wir boten Ruben aus Amsterdam großzügiger Weise an, direkt neben unserem Zelt zu zelten. Er nahm das Angebot dankend an. Ruben war auf dem Weg Richtung Heimat, hatte er doch leider erfahren, dass eine Schulfreundin Tags zuvor Selbstmord begangen hatte. Schnell kamen wir ins Gespräch und er berichtete uns von seiner bisherigen Reise. Er fuhr seit 4 Monaten durch Europa, die Türkei und Georgien und die Ukraine. Er erzählte Eindrücke von seiner Reise: einem beinahe Mord in einem Rainbow Hippie Camp in Georgien und Granzkörperwaschungen durch gastfreundliche, türkische Familien. Einen Reisenden am ersten Abend zu treffen, verdeutlichte mir noch einmal dass wir gerade auf dem Weg in unser eigenes Abenteuer waren. Eine gute Entscheidung. Wir luden Ruben zum Abendessen ein und während ich Tisch, Stühle und Campingkocher aufbaute quittierte er meine Ausrüstung mit einem gelachten „quite fetishistic“.

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Rubens Motorrad

Gegen 23:30 krochen wir in die Zelte, nachdem wir die Milchstraße und eine Sternschnuppe bewundert hatte. Felix schlief sofort ein und ich lauschte mindestens nach eine dreiviertel Stunde einem Zweitakter Motorrad welches durch den einsamen Wald knatterte. Ein guter erster Tag, mögen viele weitere gute Reisetage folgen.

FIN


Reiseschnapper des Tages: Wurfzelt

Folgendes Wurfzelt für eine Autoreise haben wir benutzt und waren rund um zufrieden. Es hat uns die ganze Zeit so gute Dienste geleistet. Aufbau dauert original 20 Sekunden und der Abbau des Wurfzeltes keine Minute. Das grün ist immer gut getarnt, falls man mal unerkannt bleiben möchte. Das Wurfzelt im Regen war null komma null Problem. Für ein Fahrrad eventuell etwas groß, für eine Reise im Auto aber ideal:

Quechua Wurfzelt 2 Seconds Easy 3 Popup Wurfzelt (grün) *

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Einfach schnell und unkaputtbar? Wurfzelt!

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