Zum Nordkap im Camper: Norwegen Roadtrip 2025 – Spearfishing, Königskrabben & Lofoten
Bereit für das Abenteuer meines Lebens? Mein Norwegen Roadtrip 2025 führte mich im Camper von Köln bis ans legendäre Nordkap – quer durch Schweden, Finnland und die endlosen Weiten Skandinaviens. Unterwegs erlebte ich spektakuläre Fjorde, die magische Mitternachtssonne und unberührte Natur fernab jeder Zivilisation. Im Mittelpunkt standen für mich Angeln in Norwegen und intensives Spearfishing Norwegen: von starken Dorschen und Seelachsen bis hin zu riesigen Königskrabben, die ich direkt aus dem arktischen Wasser holte.
In diesem Bericht teile ich meine Erfahrungen, meine Route und alles, was ich für meinen Camper Roadtrip Norwegengelernt habe – von der Planung bis zu den besten Spots. Wenn du dich für Nordkap Reise Erfahrungen, gute Angelspots Norwegen und echtes Abenteuer interessierst, bekommst du hier einen ehrlichen Einblick in einen Trip, der mich nachhaltig geprägt hat.
Inhaltsverzeichnis
- 1 16.05.2025 Vorbereitung für den Norwegen Roadtrip: Camper, Ausrüstung & Planung
- 2 17.05.2025 Von Dänemark nach Schweden: Brücken, Mautkosten und Anreise im Camper
- 3 18.05.2025 Angeln in Schweden: Erste Spots, Fehlbisse und entspannte Stunden am See
- 4 19.05.2025 Outdoor-Shopping in Schweden: Jagdgeschäft, Ausrüstung und Souvenirs
- 5 20.05.2025 Inari See und Nordpolargebiet: Landschaft, Kälte und letzte Etappe nach Norwegen
- 6 21.05.2025 Drakkar Leviathan – Walskelett am Strand
- 7 22.05.2025 Spearfishing Drakar Leviathan, Softeis und Leseby
- 8 23.05.2025 Auf zum Nordkap, Königskrabben, Rentier Abwurfstangen und Übernachtung am Nordkap
- 9 24.5.2025 Nordkap Erfahrungen: Wetter, Wanderung und Kosten im Überblick
- 10 25.05.2025 Weiter Richtung Hammerfest: Zwischen Eiswasser und Softeis
- 11 26.05.2025 Spearfishing im Altafjord: Auf der Jagd nach dem Heilbutt
- 12 27.5.2025 Steinbeißer mit der Brandungsrute und Walwurst am Nachmittag
- 13 29.05.2025 Angeln im Øksfjord
- 14 29.05.2025 Gute Angelplätze in Norwegen von der Küste finden – Tipps und Tricks – Küstenangeln
- 15 30.05.2025 Spearfishing auf Sommerøy
- 16 31.05.2025 Dorsche angeln Norwegen von der Küste aus
- 17 01.06.2025 Trockenfisch Lofoten
- 18 02.06.2025 Reinebringen Lofoten – Wanderung mit Aussicht
- 19 03.06.2025 Saltstraumen – stärkster Gezeitenstrom der Welt
- 20 04.06.2025 Blaubeeren in Schweden
- 21 05.06.2025 Park4Night Dänemark
- 22 06.06.2025 Spearfishing in Dänemark
- 23 07.06.2025 Holsten Therme Kaltenkirchen
- 24 08.06.2025 Home sweet home
16.05.2025 Vorbereitung für den Norwegen Roadtrip: Camper, Ausrüstung & Planung
Zwei Wochen Vorbereitung waren ins Land gegangen, ein unendlicher Berg gerödel türmte sich in unserem Wohnzimmer und Arbeitszimmer auf. Ich muss gestehen nur ein winziger Teil gehörte meiner Frau, der Großteil mir. Harpune stapelte sich über Brandungsrute, Harpune, Spinnrute, Gaff, Spearfishing Equipment und so weiter und so fort. Abgerundet von einem 25kg Jackery Solargenerator hatte ich eine Ausrüstung zusammengesucht die ihres gleichen suchte. Einer Apokalypse konnten wir mit diesem Equipment entspannt entgegenschauen. Norwegen hieß das Ziel. Im gemieteten Camper sollte es hoch bis zum Nordkap gehen. Andy und seine Frau Miriam hatten es geschafft und meine Frau Anika auf unserer Hochzeit überzeugen können zusammen dieses Abenteuer zu wagen. Anfangs war Anika nicht sehr überzeugt, aber der voll ausgestatte Bus mit Dusche, 2m Bett und Toilette änderte ihre Meinung (zumindest ein bischen). Den Camper hatten wir über Hannes Camper gebucht und zahlten für 23 Tage rund 3000€. Die Vorbereitung bestand darin sämtliches Angelequipment durchzuchecken, die Rollen mussten neu bespielt werden, auch der Angelladen zollte seinen Tribut, schließlich gehen Angler einkaufen und nicht Fische. Eine neue Penn Rolle und eine 50 Pfund Penn Reiserute ergänzten das schon vorhandene Equipment. Die Harpunenpfeile mussten nachgeschärft werden. Die Teak Holzharpune brauchte eine neue Versiegelung. Im hohen Norden war Ersatz unmöglich aufzufinden, alles musste in perfektem Zustand sein. Große Mengen Bier und Essen ergänzten den Gerödelturm. Bier in Norwegen kaufen kann zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden, die billigste Plörre kostet oft 4€/Dose.
Von Tag zu Tag wuchs meine Befürchtung, dass wir unsern Mist nie ins Auto laden können würden. Eine neue DJI Kamera sollte den kommenden Trip in feinster 4K Qualität abbilden.
Am Abreisetag hatten wir alles organisiert, Nachbarn instruiert, Garten gegossen, automatische Bewässerung eingestellt. Auf der Arbeit versuchte ich die tagesaufgaben so schnell abzuarbeiten um einen frühen Vogel machen zu können. Um 16:00 konnten wir uns schließendlich Richtung Campervermietung aufmachen. Die ausufernde Einweisung gab uns das sichere Gefühl für alle potentielle Schwierigkeiten gewappnet zu sein. Der 5,99m messende Citroën Jumper Van machte einen hervorragenden Eindruck. Er bot alles um eine angenehme Reise zu haben.
Um 18:00 schlängelte ich den Bus durch die Kölner Veedel um zuhause das leichte Gepäck aufzulesen.
Glücklicherweise hatte mein Vater angeboten uns beim einladen zu helfen, nach einer Stunde schleppen und Tetris puzzeln hatten wir alles im Camper verstaut. Erstaunlicherweise fand alles seinen Platz im Bus. Ein letzter Kontrollrundgang durch die Wohung und los ging es. Um 19:00 rollten wir über die innere Kanalstrasse aus Köln heraus, auf die Autobahn Richtung Norden.
Up north – Nachtfahrt nach Dänemark
Etwas gewöhnungsbedürftig ist das fahren mit einem so langen Gefährt schon, aber nachdem man sich den Blick in den nicht vorhandenen Rückspiegel abgewöhnt hat macht es einen heidenspass. Schnellen Reifens rollten wir in den Abend. Andy war uns gute 350km voraus. Als Ziel für den Abend hatten wir den Ammoniakhaven in Dänemark angepeilt. Kurz vor Bremen gerieten wir in einen kurzen Stau, die Sonne senkte sich langsam unter den Horizont. Der Elbtunnel öffnete sich bald vor uns, er war ist und bleibt für mich das Tor zum Norden, eine Welt voller urtümlicher Riesenfische, polarer Landschaft und Mitternachtsmesse erwartete uns. Andy war bereits am Spot angekommen und unsere Uhr zeigte noch 300km um 23:30, egal, kein Problem. Die gute Laune trug uns durch die Nacht. Die dänische Grenze stellte wie immer kein Problem dar. Die letzten 250km führten durch die schnurgerade dänische Einsamkeit, guter Techno und eine friedlich schlafende Frau neben mir stimmten mich glücklich und zufrieden.
Als wir um 02:34 auf den Ammoniakhaven einfuhren stand Andys Wohnmobil mit Blick auf das Meer. Zur rechten die Lillebæeltsbroen Brücke unter welcher ein Dreiviertel Blutmond aufging. In unserem Rücken der Ammoniakshaven, ein verlassenes, dänisches Fabrikgelände mit großen Speichern. Der Ammoniakhaven ist ein kleiner Hafen im Norden Dänemarks, nahe der Ortschaft Hanstholm an der Nordseeküste. Ursprünglich wurde er in den 1950er-Jahren für den Umschlag und Transport von Ammoniak für die Fischindustrie errichtet – daher auch der Name. Da Andy und Miri sich durch dezentes Hupen und Klopfen nicht wecken ließen genoss ich allein ein Feierabend IPA. Im Osten zeigte sich schon der erste dunkelblaue Morgenschimmer. Vorboten der Mitternachtssonne in Norwegen. Schnell krochen wir in unser Bett, verdunkelten das Auto und schliefen schnell und friedlich ein.

17.05.2025 Von Dänemark nach Schweden: Brücken, Mautkosten und Anreise im Camper
Nach einer viel zu kurzen Nacht weckte mich das Gebell von Andys Dogo Canario. Viereinhalb Stunden Schlaf sollten genügen. Langsam kroch ich aus dem Wagen und Andys breites Grinsen empfing mich. Junge, wir fahren nach Norwegen. Die Freude war riesig. Die Sonne schien auf den Hafen und einige Angler versuchten erfolglos Hornhechte in der Bucht zu fangen. Langsam schält er sich auch Anika aus dem Bett. Auch von Miriam wurden wir herzlich empfangen und ein gemeinsames Frühstück im Stehen wurde eingenommen. Wir probierten die selbst geschossene und zubereitete Reh Leberwurst. Um circa 10:00 Uhr machen wir uns langsam auf den Weg. Kilometer kam um Kilometer, nach anfänglichen Sonnenschein, wechselte das Wetter auf Regen. Wir fuhren durch die schwedische Natur und dicke Tropfen prasselten auf unser Gefährt nieder. Wir fraßen Kilometer um Kilometer.
Grenzübergang zu Schweden
Der Übergang von Dänemark zu Schweden waren die Brücken, welche über den Belt führten, die Storebæeltsbrücke und die Øresundsbrücke trennten das europäische Festland von den skandinavischen Ländern. Die erste Brücke empfing uns mit circa 30 € Überquerungsgebühr, die zweite Brücke kostete rund 63 €, vier Jahre zuvor hatten wir noch 13€ weniger gezahlt. Als Andy auf die Schranke zu fuhr, öffnete sich diese, ohne das er bezahlen musste. Er fuhr einfach hindurch, wir mussten 63 € bezahlen. Andy freute sich wie ein Schnitzel, als er die 63 € sparen konnte. Wir hatten ein Paar Funkgeräte mit dabei, hierbei nutzen wir das Funkgerät, um alle Besonderheiten der Strecke miteinander abzusprechen. Nun rockten wir durch Malmö in die schwedische Natur. Südschweden war ein flaches Land unterbrochen von Feldern und roten Farmhäusern. Rechts und links säumte die wunderschöne Natur die Straße. Auf dem Weg dachten wir uns ein Spiel aus: an das bekannte Bingo angelehnt, spielten wir folgendes Spiel: sobald jemand eine Tierart oder eine Besonderheit erblickt hatte, rief er Bingo! Wild Gans!, Bingo, hoch beschlagene Ricke, Bingo, Schwan Bingo!. So zog sich Kilometer um Kilometer. Wir konnten zahlreiche Tierarten am Rande der Straße blicken: Nebelkrähen, Amseln, zahllose Rehe, viele verschiedene Gänse Arten. Das Bingo Spiel schien unerschöpflich durch das Funkgerät, welches unsere beiden Autos verband.
Es machte die Verbindung zwischen den zwei Camper Wagen deutlich persönlicher und einfacher. Etliche Jahre zuvor hatten wir uns alle paar Kilometer angerufen, wenn es allerdings zu Funklöchern kam, war die Kommunikation deutlich erschwert. Die kurzweilige Kommunikation zwischen den Wagen war, als ob es keinerlei Grenzen zwischen den beiden Wagen gab. Sobald jemand etwas lustiges erblickte, gab er es durch den Funk durch. Auch das berühmte Steck ein fand seinen Platz in der Funkkommunikation. Beim letzten Norwegen Trip befahl ich Andy in einem Supermarkt, dass er doch eins der überteuerten Biere einstecken sollte. Der leise geflüsterte Ton „Steck ein“, ließ uns damals in Lachen ausbrechen. Hieraus entwickelte sich ein Running Gag. Im Auto erblickte jemand einen Holztransporter oder eine hübsche Schwedin am Straßenrand und so gleich wurde über Funk das magische „Steck ein“ durchgegeben. 200 km nördlich der schwedischen Südgrenze, empfing uns starker Regen, dies Stimmte uns aber nicht schlechter Laune, da es die Autos von den Mückenopfern reinigen würde. Unterbrochen würde die Fahrt nur von kurzen Tankstopps, um Diesel für die Camper nach zu füllen. Ungefähr 9,5-10,5 l pro 100 km verbrauchten der Van.
Wildcampen in Schweden
Als sich langsam der Abend über die endlosen Fichtenwälder senkte sank die Sonne in der Fahrtrichtung in unserer Augen. Alles wurde in ein unermesslich Gold gefärbt. Im selben Augenblick setzt noch ein Schauer ein. Noch während ich zu Anika sagte, dass dies die perfekten Bedingungen für einen Regenbogen waren, blickte ich aus dem Fenster und auf der rechte Seite zeigte sich tatsächlich ein Regenbogen. Der Bogen reichte vom linken Horizont bis zum rechten Horizont. Ein magischer Moment zwischen Grün, Gold und dem irisierenden Farbspektrum. Wir hatten in der App park4night, einen schönen Stellplatz herausgesucht und Bogen rechts von der E4 Autobahn ab. Eine Schotterstraße führte durch hohe Fichtenwälder genau auf das linke Ende des Regenbogens zu. Als wir auf den Spot, welchen wir herausgesucht hatten, einbogen standen bereits zwei Camping Mobile auf dem avisierten Spot. Ein kleiner Steg ragte in den See hinein, welcher für unsere Spotwahl obligatorisch war. Dennoch stellte sich der Hain als ein kleiner Juwel dar. Ein 20 m großer Parkplatz bot genug Platz, um sich Seitentür an Seitentüre zueinander zu stellen. Wir stiegen aus und ich erblickte so gleich eine Feuerstelle mit einem Schwenkgrill. Ich fragte Andy, ob wir die selbstgemachten Wildwürste, welche ich aufgetaut hatte, auf diesem Schwenk grillen wollten? Normalerweise erwartete ich ein Nein, Andy schaute mich an und sagte nur: „na klar“. Genau deshalb waren wir mit ihm und seiner Frau unterwegs, mit ihm konnte man einfach Pferde stehlen. Während die Frauen einen Salat vorbereitete, krochen Andy und ich durch den Busch und sammelten Totholz. Mit einer kleinen mitgebrachten Handsäge zerteilten wir das Holz grob. Mit etwas Toilettenpapier. Ein paar Reisigzweigen von einer Tanne wurde schnell ein Feuer entfacht. Die Flammen loderte in den Himmel, ein eisiger Wind fachte das Feuer an. Alsbald legten wir größere Stämme auf das Feuer und als eine gute Glut entstanden war, schwenkten wir den Rost über das Feuer. Ich hatte Wild Würste aus eigener Produktion mitgebracht (60 % Wildschwein, 30 % Reh, 10 % Fett vom Hausschwein). Diese grillten wir auf dem Rost. In Ergänzung mit dem Salat, welche die Frauen zubereitet hatten, schmecken die Würste mit etwas Senf hervorragend. Andy war begeistert von den Wildwürsten, welche ich hergestellt hatte. Andy jagte einige Jahre länger als ich und hatte mir endlose Tipps und Kniffe beigebracht, dennoch war er überrascht von den hochwertigen Würsten, welche ich selbst hergestellt hatte. Dies machte mich etwas stolz. Nachdem einige Biere beim Essen getrunken wurden und wir vom Rauch des Lagerfeuer komplett eingeräuchert waren, gingen wir langsam ins Bett. Meine Frau und ich stellten noch die Heizung des Campers auf 18°, war es draußen doch frische 10°. Und als wir ins Bett krabbelten, schliefen wir schnell und friedlich ein, nachdem wir in der letzten Nacht nicht viel Schlaf bekommen hatten.

18.05.2025 Angeln in Schweden: Erste Spots, Fehlbisse und entspannte Stunden am See
Morgens war es noch empfindlich kühl, dies hinderte aber Andy, Miriam und mich nicht daran in dem schwedischen See eine kurze Runde schwimmen zu gehen. Der Sprung vom Steg erwies sich als ein Sprung in ein eiskaltes und kupferfarbenes, dunkles Wasser. Ein Eisbad am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen und mit stechenden Armen und Beinen wankte ich aus dem Wasser. Jetzt war ich wach. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns wieder auf Richtung Norden. Die Waldvegetation wurde langsam dichter, nur unterbrochen von großen Seen und Flüssen, welche blau in der Ebene schimmerten. Nachdem wir Stockholm passiert hatten, ging es weiter durch die Wildnis. An den ersten ein bis zwei Angel- Gelegenheiten warf ich ein paar Würfe und versenkte den ersten Tailspinner im Geäst. Auch am zweiten Spot konnten wir keine Bisse verzeichnen, stehend auf einem Felsen, welcher in den See ragte, mit der schwedischen Sonne im Gesicht. Bei angenehmen 15° genossen wir unser Leben. So war es nicht schlimm, dass keine Fische bissen.
Das Wetter war für Ende Mai einfach nur herrlich: Sonnenschein, 12-18° und keine Wolke am Himmel. Auf der E4 immer weiter Richtung Norden überholten wir Holzlaster um Holzlastwr die ein- bis zweispurige Autobahn mit einer Maximalgeschwindigkeit von 110 km/h war ein Highway in die Mitternachtssonne. Durch die Angelei konnten wir an diesem Tag aber keine große Strecke fahren, 650 km sollten das Tagesziel geworden sein. Gegen 20:00 Uhr stand die Sonne relativ tief und erneut schien ein goldener Sonnenschein über die schwedischen Bäume. Wir entschieden uns zu einem letzten Angelversuch und suchten einen See aus welcher direkt an der Autobahn lag und von einer kleinen Landstraße umspielt wurde.
Hecht angeln in Schweden
Wunderschöne rote schwedische Häuser standen am See. Wir hielten und liefen die Uferböschung hinunter. Während Andy die Rute zusammensteckte, brach die Spitze ab, Unglück schien dies aber nicht zu bringen. Hatte er doch nach drei Würfen schon einen Hecht von circa 55 cm gefangen, ich stand 50 m weiter rechts und angelte derweil erfolglos. Nach und nach angelte ich mich am Ufer entlang und nach circa 150 m stieg auch bei mir ein kapitaler Hecht ein, kurz vor dem Ufer, biss er allerdings die monofile Flourocarbonschnur durch. Ein weiterer 6,50 € Tailspinner versank im schwedischen nichts. Egal, schnell ein neuer Köder drauf gebunden und weiter ging es. Mittlerweile brüllt Andy quer durch die schwedische Natur, dass er einen weiteren Fisch am Band hätte. Dies spannte mich umso mehr an und tatsächlich biss ein weiterer Hecht auf den Spinner, dank Andy konnte ich ihn sicher landen und ein schöner 45 cm messender Hecht, mit einem leicht dunkel orangenen Ton, gleich dem schwedischen Seewasser, konnte an Land geholt werden. Nun hatten wir insgesamt drei Hechte. Andy hatte einen schönen 85 iger Hecht gefangen. In einer kleinen Wetterhütte filetiert Andy, so gleich die Fische in der Abendsonne, trotz betäubendem Schlag und Herzstich sprangen die Fische vom Nerven zucken von der Bank. Insgesamt 1,5 kg feinstes Hechtfilet wurden in Beuteln verstaut. Wir fuhren anschließend noch eine gute Stunde weiter. Miriam hatte mittlerweile wieder einen Spot bei park4night rausgesucht. Auf dem Weg zum Spot, 2 km von der Autobahn entfernt, erblickten wir dann auch noch den ersten Elch der Reise, das Funkgerät brüllte auf einmal in einem lauten Ton: Bingo Elch, Bingo, Bingo, Elch, Bingo. Und da stand er, ein riesiges Tier mitten auf der Straße. Nach einer kleinen Film Einheit verschwand das Tier gleich einem schwedische Geist wieder in der Natur. Anika freute sich, hatte sie noch nie einen wilden Elch gesehen. Der Spot, welchen wir unmittelbar danach erreichten, war ein absoluter Glücksgriff. An einem kleinen Sandstrand, welcher an der Ostsee lag, mitten umgeben von der schwedischen Natur. Vom Auto aus blickten wir auf das Meer, eine Grillhütte mit fein säuberlich breit gelegten Anzündholz, Papier, Streichhölzern und großen Holzscheiten lag in der Hütte bereits alles bereit. Dafür liebten wir die Schweden. Miriam bereitete uns Aperol Spritz, welche in der Abendsonne einfach herrlich schmeckte. Nach Rücksprache mit Andy entschieden wir uns dazu, die Hechtfilets mit dem mitgebrachten Hackbeil klein zu hacken und zu Fischfrikadellen zu verarbeiten. Mit Sojasoße und Limettensaft verfeinert sowie mit Paniermehl und einem Ei zur Bindung gebracht, brieten wir die Hechtklöße auf einem Gasbrenner vor der Grillhütte. Ich zweifelte den Geschmack des Hechtes an, hatte ich bisher doch nur schlechte Erfahrungen gemacht. Aber als ich sah wie die Hecht Frikadellen langsam in der Pfanne bräunten, und als ich sie später probierte, musste ich meine Meinung zurücknehmen. Der Fisch schmeckte hervorragend. Durch das klein hacken der Filets war keine einzelne Grete mehr zu schmecken. Dazu gab es einen schönen Salat. Mit etlichen Bieren ließen wir den Abend ausklingen. Bereits hier in der Mitte von Schweden sollte die Sonne nicht mehr ganz untergehen. Ziemlich angedudelt krochen wir satt und zufrieden ins Bett.


19.05.2025 Outdoor-Shopping in Schweden: Jagdgeschäft, Ausrüstung und Souvenirs
Morgens erwachte ich mit einem Brand, quälender Durst nach dem durchgezechten Abend ließ mich nicht mehr ruhig schlafen. Die Sonne schien stark und wärmte den Camper auf. Bald hatte die Temperatur im Camper 23° erreicht. Um 9:00 Uhr war an schlafen nicht mehr zu denken und so kletterte ich über Anika und in die Morgensonne hinaus. Der Spot war in der Morgensonne noch schöner als am Abend zuvor. Andy und Miri machten sich gerade zu einer Morgen-Jogging-Runde auf. Auch ich versuchte, mich in Form zu halten und sprang ein wenig mit dem mitgebrachten Springseil. Am Anfang sorgte jeder Sprung für einen stechenden Kopfschmerz, mit zunehmender körperliche Belastung lies dies allerdings nach. Gerade als ich anfing zu schwitzen, kamen Andy und Miriam vom Joggen wieder und gemeinsam gingen wir zum Wasser der Ostsee Meeresbucht. Ein lang gezogene Sandstrand führte in die Ostsee. Andy und ich zogen blank und gemeinsam mit Miriam rannten wir ins Wasser. Das Wasser war stechend kalt aber belebte die Sinne. Durch die Kälte euphorisiert badeten wir anschließend noch etwas in der Sonne und nahmen ein Frühstück ein. Etwas verspätet fuhren wir anschließend weiter. Nach circa 250 km hielten wir an einer Tankstelle und Andy und ich erblickten ein Jagdgeschäft, welches neben der Tankstelle lag. Das Geschäft stellte sich als eine wahre Fundgrube heraus. Es gab alles, was das Angler und Jäger Herz beliebte. Wir durchstöberten sämtliche Artikel, ich merkte dabei, dass ich doch schon ziemlich gut ausgerüstet war. Als mein Blick allerdings auf ein schönes, geschmiedetes Handbeil traf, konnte ich nicht anders und schlug zu. Für 70€ wechselte das wunderschöne Beil den Besitzer. Dies war ein Souvenir, welches für ein Leben lang halten würde. Es würde mich immer an die schöne Reise durch die schwedischen Natur erinnern. Weiter ging die Fahrt. Langsam wichen die hohen Fichtenwälder immer niedrigerem Bewuchs. Das nächste Ziel war der Nordpolarkreis. An diesem Punkt am 66,5 Breitengrad sollte die Sonne ab dem 21. Juni nicht mehr unter und am 21. Dezember nicht mehr auf gehen. Dies war auf jeder Reise nach Nordnorwegen ein Meilenstein. Zwar lag auf dem Polarzirkel viel Müll, aber das große Schild, worauf in verschiedenen Sprachen „Polarkreis“ gedruckt war, machte es wieder wett. Das Schild war über und über mit Stickern beklebt, welche Fußballvereine aus ganz Europa und viele verschiedene lustige Ausblicke in die Fantasie der Menschen gaben. Nach einigen geschossenen Fotos ging es weiter. Die Vegetation begann immer mehr, der Tundra zu ähneln. Als ich Anika nach einem kurzen Schlaf sagte, dass ich nun nach Rentieren Ausschau halten würde, kam keine 30 Sekunden später das berühmte Funk Bingo: „Rentier, Bingo, Bingo Rentier“. Und da standen die ersten drei Rentiere, wunderschöne Tiere, das Geweih noch im Bast. Wieder mal ein besonderer Augenblick.

Grenze Schweden zu Finnland
Die Grenze nach Finnland war nicht mehr weit und alsbald überqueren wir diese. Kurz überrascht es mich, dass hier mit Euro gezahlt wurde.
Die Straßenverhältnisse veränderten sich. Viele Schlaglöcher säumten den Weg, und auch die Birken verschwanden nach und nach und wichen kurzen Kiefern und Tannen. Über Funk unterhielten Andy und ich uns ausführlich über die Bärenjagd und was wir als Jäger noch für Traumziele hätten. Kurze Zeit später gab Andy erneut Rentiere durch. Erstaunlicherweise war unter diesen ein Albino Rentier, mit roten Augen und weißem Gehorn war es so ganz anders als seine grauen Kumpanen. Alle Rentiere trugen Halsbänder und waren teilweise mit blauer Antibiotika- Farbe besprüht. Die Samen kümmerten sich hier oben um die Tiere und lebten von diesen. Immer mehr Schnee kam in großen Inseln in der Tundra vor und nahm nach und nach immer mehr Fläche ein. Eine von Mooren und Schnee durchsetzte Landschaft unter einem weißen Himmel mit einem unendlichen Horizont. Die Landschaft war durchsetzt von kargen Bäumen und Wasserflächen. Die Straßen führten zum Teil schnurgerade durch die Landschaft. Wir erkannten in der Landschaft mehrere Hennen des Auerwildes. In Deutschland so gut wie ausgestorben, sahen wir auf wenigen Kilometern gleich mehrere Vögel. Als wir auf der pfeilgeraden Straße durch die offene Tundra fuhren, erblickte ich plötzlich balzende Birkhähne. Die schwarzen Hähne mit den roten Rosen um die Augen kämpften hier in der Mitternachtssonne um die Hennen, welche sich um die Hähne aufgestellt hatten. Durch das Auto aufgeschreckt, flattern sie davon. Durch unsere hohe Geschwindigkeit erschreckt flog eine der Hennen hinter meinem Auto weg. Im Rückspiegel sah ich, wie Andys Van auf einmal an Geschwindigkeit verlor und stehen blieb. Über Funk gab Miri mir durch, dass sie scheinbar versehentlich einen Vogel erwischt hatten. Andy verließ das Fahrzeug und als Miriam über Funk durchgab, dass er mit einem breiten Grinsen zurückkam, war mir klar, was passiert war. Andy hatte tatsächlich eine Birkhenne erwischt. Dieser Hühnervogel hatte eine wunderschöne Färbung der Federn, abwechselnd weiß braun und um das Auge spielte eine rötliche Farbe. Wir waren Jäger und so entschieden wir uns das Huhn zu verwerten und Andy schnitt mit einem Messer gekonnt die Brustmuskulatur des Vogels heraus und auch eine Keule nahmen wir mit. Zwar war das Ganze natürlich ein Unfall, aber dennoch freuten wir uns über den unverhofften Jagd Erfolg. Wenigen Leuten war es vergönnt, ein Stück Birkwild zu probieren. Im weiteren Verlauf sahen wir noch mehrere Hähne auf der Straße Balzen, vorsichtig herangefahren, kam es aber (leider) zu keinem weiteren Unfall.


20.05.2025 Inari See und Nordpolargebiet: Landschaft, Kälte und letzte Etappe nach Norwegen
Morgens empfing uns ein eisiger Regen in der finnischen Tundra. Im Camper bei eingeschalteter Standheizung gab es gefühlt keinen Grund sich zu bewegen. Nach ein bis zweimal umdrehen entschieden wir uns doch langsam aufzustehen. Nachdem gefrühstückt und die Sachen wieder verstaut waren, machten wir uns auf den Weg Richtung Inari. Hier hielten wir an einer Tankstelle und luden noch einmal günstigen Diesel und Wasser auf. In der Tankstelle gab es allerlei Outdoor Survival Equipment, Schneeschuhe lagen neben Eisangeln und Schrauben und Seile konnten ebenfalls gekauft werden. Ich kaufte einen großen Aufkleber für meine Gefrierbox. Auf dem Aufkleber prangte in großen Lettern: „Soumi“, hinterlegt mit den finnischen Nationalfarben. Als ich den Verkäufer fragte, ob „Soumi“ die Region hier sei, schaute er mich nur verwundert an. Andy klärte mich später darüber auf das „Soumi“ wohl Finnland bedeuten würde. Wir beide brachen in Lachen aus. Am berühmten Inari See vorbei ging es nun Richtung der norwegische Grenze, der See war noch vollständig zugefroren und Speerfischen in der finnischen See Inselwelt war somit nicht möglich. Kurz vor der norwegischen Grenze hielten wir noch einmal und kauften in einer Bar gefrorenes Rentierfleisch für circa 400 g wurden 19 € verlangt. Wir wollten es aber unbedingt probieren und verstauten es tief in unserer Gefriertruhe.

Alkohol an der Grenze zu Norwegen
Kurz vor der norwegischen Grenze einigten wir uns, dass Andy vorweg fahren würde um die Zollangelegenheiten „abzuklären“. Er wollte per Funk an uns weitergeben wenn es Probleme mit der Alkoholüberführung gäbe. An der Grenze gab es allerdings keinerlei Kontrollen, es wirkte wie ausgestorben, hier im Grenzland zwischen Finnland Norwegen und unweit der russischen Grenze. Auch die circa 1 km weiter liegende Zollkontrolle war komplett verlassen. Somit wurde pro Fahrzeug uns 30 € Alkoholzoll freundlicherweise „erlassen“. Kurz hinter der Grenze hielten wir bei einer Toilette mitten im Nirgendwo. Das Plumpsklo war mit Teppich ausgelegt und alles war Piekfein sauber, an der Wand prangte ein Foto vom norwegischen Königspaar Harald der V und Sonja von Norwegen. So musste es sein. Ob ich ein Foto von Frank-Walter Steinmeier auf meinem Klo aufhängen würde? Nun waren wir in Norwegen angekommen und Schnee empfing uns. Auf dem Weg zum nächstgelegenen Fjord fuhren wir durch einen zunehmenden Schneeschauer. Ein reißender Schmelzwasserfluss, welcher sich die Gebirgsflanke hinunter schlängelte, führte so viel Wasser, dass er sich in einen reißenden Wasserfall verwandelt hatte. Von der überführenden Brücke war der Blick auf die unfassbar riesigen Massen an bewegten Wasser beeindruckend.
Weiter ging es Richtung Fjord, und als wir diesen erreichten, machten wir einen kurzen Spaziergang über die mit rötlichen krautigen Krähenbeere bewachsenen Felslandschaft. Die Barentsee klatschte mit eiskaltem, rauem Wasser auf die Felsen. In einer kurzen Mittagspause bei Haribo, Waffeln und Tee besprachen wir den restlichen Tagesplan. Wir fuhren weiter und hielten für die Nacht im kleinen Fischerort Jakobselv. Am Strand standen die riesigen Fichtengestänge, auf welchen der Skrei-Stockfisch getrocknet wurde. Im Moment war aber wohl keine Trocknungszeit und die Stangen standen wie skelettierte Walknochen am Strand. Andy und ich gingen zur Mole, welche die Einfahrt zum kleinen Hafen bildete, und versuchten zunächst 30 Minuten erfolglos den ersten Fisch zu angeln.
Königskrabbe mit der Angel
Auf den Steinen saßen große Königskrabben in 2-3 m Tiefe. Wir konnten sie durch das wenig bewegte Wasser auf den tangbewachsenen Felsen ausmachen.
Auf einmal brüllt der Andy: „ICH HAB EINE“. Und tatsächlich hatte er eine Königskrabbe mit einem Gummifisch gehakt. Das über und über mit Stacheln bedeckte und spinnenartige Krabbentier wog bestimmt 1 kg. Wir freuten uns wie die Schneekönige, am ersten Tag am Fjord hatten wir nun tatsächlich direkt eine Königsrabe gefangen. Jetzt packte uns, wie immer, das Jagdfieber und nach weiteren zwei Stunden hatten wir tatsächlich insgesamt fünf Königskrabben geangelt. Der Trick war es, einen Gummifisch kurz hinter die Krabbe zu schmeißen und die Krabbe mit dem Gummifisch aufzugabeln. Hatte sie sich einmal im Gummifisch verhakt, so konnte man sie am Wasserufer mit dem Kescher einsacken. Ob der Mannheimer Angelladenverkäufer dies geahnt hatte als er mir den Kescher in die Hand drückte? Einige mittelgroße, aber auch ein richtiges Monster waren dabei. Als wir später zum Van zurück gingen, staunten die Frauen nicht schlecht. Schnell wurde die Krabben zerlegt. Die Beine wurden ausgetrennt nachdem das Tier mit einem Stich in den Panzer getötet wurde. Hierbei trat das weiße Blut aus der Krabbe aus. Der Name Königskrabbe kommt von der bläulichen Farbe, welches das Blut beim Kontakt mit Eis annehmen soll. Die größte Krabbe hatte Beine mit einer Länge von circa 40 cm (ein Bein) und einer Carpaxlänge von 15 cm. Sie wog 1,8 kg. Im heißem Wasserdampf für 10 Minuten gedünstet türmten Andy und ich einen wahren Berg an Krabbenbeinen auf.
Zusammen mit den Frauen ließen wir uns diesen schmecken. Mit Scheren wurden die Beine längs aufgeschnitten und das süß saftige Fleisch aus den Beinen herausgeholt. Die Krabben enthielten sehr viel Fleisch. Bei einem Kilogramm Preis von 100-140€ € hatten wir an diesem Abend Krabben im Wert von circa 400€ gefangen. Einfach ein guter Abend. Später gingen wir müde und zufrieden ins Bett, unter der Mitternachtssonne, am Strand zwischen den norwegischen, Trockengestellen.
Es kam uns vor wie im Traum.


21.05.2025 Drakkar Leviathan – Walskelett am Strand
Am nächsten Morgen schliefen wir etwas länger. Mit Blick auf das offene Meer und den etwas grau verhangenen Himmel frühstücken wir erst mal ausgiebig. Für diesen Tag hatten wir uns etwas Sightseeing vorgenommen. Als erstes ging es zum so genannten Domen Sightpoint, hier war mitten auf den norwegischen Klippen über der Barentsee eine weiße Boxholzkonstruktion mit pinken, durchsichtigen Scheiben errichtet worden. Das blaue Meer im Hintergrund spiegelte sich in den lichtdurchlässigen Scheiben und im Schnee. Im Hintergrund machte das blaue Meer die Atmosphäre perfekt. Wir wanderten um das architektonische Meisterwerk über die mit rötlich Flechten bedeckten Boden, überall bedeckte Flora die karge Steinlandschaft. Von dort ging es weiter nach Vardø, ein Fischereidorf auf einer vorgelagerten Insel. Nachdem wir die überteuerten Preise in den norwegischen Supermarkt bewundert hatten (1 kg Äpfel sechs Euro). Fuhren wir zu einem Mahnmal, welches an die Hexenverfolgung im 17. Jahrhundert in Norwegen erinnerte. Ein brennender Stuhl und ein circa 150 m langer Gang mit Erinnerung an die damals verbrannten vermeintlichen Hexen war ebenfalls ein architektonisches Kleinod in der norwegischen Natur. In dem langen, an Drahtseilen aufgespannten Gang brannten 91 hängende Glühbirnen für die 91 Hexen, welche aus verschiedensten Gründen im 17. Jahrhundert hingerichtet worden. Von dort aus ging es weiter zum Drakkar Leviathan einem großen Walfischskelett aus gezimmerten Holz, welche an eine nordisch-arktische Sage, erinnerte. Wir wanderten durch das hölzerne Walskelett mit Blick auf den Fjord. Als Ziel für den Tag hatten wir uns Hamningberg gesetzt, das offizielle Ende des Fjordes und das Ende der Straße. Dies war ein alternatives Nordkap, ein absolutes Ende der Welt. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch Schneefelder, welche am Ozean vorbei führten. Schroffe Felsspitzen und weite, beeindruckende Geröllfelder säumte den Weg. Die Landschaft war unbeschreiblich, man verstand, wo die norwegischen Sagengestalten, in Form von Trollen und Feen entstanden waren.


In der kleinen Stadt angekommen, versuchten wir erfolglos eine kleine weitere Angelrunde. Das Wasser schien zu kalt für Fisch zu sein und der Fjord insgesamt zu flach.
Am Stellplatz für die Nacht unter der Mitternachssonne angekommen griffen Andy und ich uns ein schönes Früh Kölsch aus der Dose und gingen in die Tundra hinaus. Dort übten wir uns im Wettbewerb „Steine aufeinander stellen“, wer den höheren Steinturm bauen konnte sollte der Sieger sein. Als wir beide einen Steinturm von circa 1,5 m erbaut hatten, trug ich so gleich unseren kleinen „Steingarten“ bei Google Maps als Skulpturengarten ein.
Nach einem kleinen Abendessen krochen wir am inoffiziellen Ende der Welt erneut ins Bett.

22.05.2025 Spearfishing Drakar Leviathan, Softeis und Leseby
Am nächsten Morgen empfing uns leicht bedeckter Himmel, nach einem ausführlichen Morgenschlummer und einem leichten Frühstück hatten wir uns als nächstes Ziel das Nordkap gesteckt. Im Verlaufe des Vormittags riss die Sonne ein Loch in die Wolkendecke und gegen Mittag riss der graue Wolkenvorhang komplett auf. Bei einem kurzen Tankstop erblickte ich eine Polizeistreife, welche eine Softeis in der Sonne genoss. Daraufhin konnte ich nicht anders und kaufte mir ebenfalls an der Tankstelle ein Softeis mit Jørdbeeren und Haselnooten Dekor.
Das Vanilleeis schmeckte in der Sonne hervorragend. Miriam blickte neidisch auf mein Eis und rannte sogleich in die Tankstelle, um sich ebenfalls ein Eis zu gönnen.
Als kleines Mittagsziel hatten wir erneut den Drakar Leviathan ausgewählt, hier wollten wir eine kleine Runde Speerfischen gehen. Nachdem Andy und ich uns wie immer aufwändig in die Spearfishing Klamotten geschmissen hatten, stürzten wir uns ins Wasser. Das Wasser war glasklar und 4,2 °C kalt. Wir schwommen einige große Runden durch die Wind abgewandte Seite der Bucht, aber jegliches Fischleben blieb aus. Ich konnte noch ein paar Handteller große Miesmuscheln vom Boden lösen, welche dem Abendessen dienen sollen.

Von dort aus ging es weiter Richtung Eingang des Fords, ein kleiner Zwischenstopp, um erneut ein paar Königskrabben zu fangen verblieb leider erfolglos.
Wir fuhren nun schließlich weiter, und bei blendendem Sonnenschein ging es über drei weitere Fjorde in Richtung Nordkap.
Auf einer großen Hochebene, welche mit Schnee komplett bedeckt war, erblickten wir ein Rudel Rentiere welches gemächlich durch den Schnee stapfte, das Leittier beäugte seine Kälber, gleich einem Traum war der Blick auf die komplett zugeschneiten Landschaf. Ein kleiner hellblauer Eissee im Hintergrund lies die Szenerie unwirklich erscheinen. Hier konnte Natur noch Natur sein. Von dieser wunderschönen Begegnung beeindruckt, entdeckten wir ein Rentier nach dem anderen.
Gegen 21:00 Uhr machten wir uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Auf der Halbinsel Leseby fanden wir einen wunderschönen Stellplatz für die Nacht, ein morscher Holzsteg, welcher in den Fjord hinein ragte, komplementierte den wunderschönen Platz an einem alten, verlassenen Schiefersteinbruch. Abends erblickten wir eine Königskrabbe, welche die Algen unter dem Steg abarbeitete. Unter diesen Vorzeichen entschied ich mich dazu, am nächsten Morgen früh ins Wasser zu steigen, um den Versuch einer kleinen Krabben-Jagd zu wagen.
Der Schlafplatz war umsäumt von einem alten Schiefersteinbruch und die schwarzen feinen, glitzernden Schieferplatten lagen rechts und links des Steges umher. Eine wunderschöne Kulisse um den Abend zu verbringen. Als noch spät Abends ein Krabbenfang-Boot in der Fordspitze anlegte, um seine Fracht anzulanden macht es die Kulisse perfekt. Müde krochen wir, nachdem Andy seiner Brandungsrute ausgelegt hatte ins Bett.

23.05.2025 Auf zum Nordkap, Königskrabben, Rentier Abwurfstangen und Übernachtung am Nordkap
Ich hatte mir früh den Wecker gestellt, am Vorabend hatten wir doch gesehen wie eine Königskrabbe unmittelbar neben dem Steg umher lief. Um 8:30 Uhr stand ich auf und zog mir meinen Spearfishing Anzug an. Es war blendender Sonnenschein, ein wenig Wind als ich in das eiskalte und glasklare Wasser stieg. Als ich ins Wasser gegangen war, zog Andy zugleich die Rute ein, welche er am Vorabend ausgelegt hatte. Und tatsächlich hatte sich eine Königskrabbe in der Angel verhangen.
Königskrabben aus dem glasklaren Meer in der Morgensonne
Das Wasser war zwar glasklar, aber an der Oberfläche gab es aber eine circa 1 m messende Sprungschicht, es war, als würde man in Uhukleber tauchen. Wenn man allerdings tiefer tauchte, konnte man mindestens 10-15 m weit sehen. Und tatsächlich nach 500-600 m schwimmen erblickte ich in circa 8 m Tiefe eine Königskrabbe. Sie saß auf dem Felsen zwischen einigen Seegräsern. Da ich mir nicht sicher war, ob man die Krabbe gut greifen konnte, schoss ich sie mit der Harpune und zog das große Tier hoch. Ein wahrer Jubel. Das stachelbewehrte Ungetüm landete auf meinem Float. Diem Krabbe in einen Netzbeutel zu bugsieren stellte sich allerdings als schwere Aufgabe dar: die Stacheln blieben in jeder Masche hängen.Kurze Zeit später entdeckte ich eine zweite Krabbe und lud auch diese zu einem „Landgang“ ein. Am Steg wieder angekommen, präsentierte ich meinen Fang.
Schnell gedünstet und im Schnee abgekühlt verschwanden die Krabben auf Landgang schnell in der Tiefe der Tiefkühlbox im Camper.
Die umherliegenden Schieferplatten waren eine super Trophäenplatte und so gingen Andy und ich den Strand auf und nieder und etliche Kilogramm Schiefergestein gesellten sich zum Reisegepäck.

Rentierabwurfstangen sammeln
Nachdem wir noch etwas in unseren Helinoxstühlen in der Sonne gedöst hatten, fuhren wir schließlich weiter Richtung Nordkap.
Auf dem Weg zum Nordkap kamen wir an endlosen, weißen, verschneiten und nur von rötlich bewachsenen Flächen unterbrochenen, Ebenen vorbei. Hinter jeder Kurve kam ein neues, herrliches Panorama. Die Augen konnten sich garnicht satt sehen, mit jedem Kilometer wuchs die innere Freude. Es war unbeschreiblich schön. Glasklare Schmelzwasser Bäche, tief dunkelschwarz, wanden sich durch die Landschaft. Endlose Herden von Rentieren standen in der endlosen Weite.

Es war ideal, um von der Straße aus nach Rentierabwurfstangen zu suchen und tatsächlich 30-40 km vor dem Nordkap, hielt Andy plötzlich, sprang aus dem Camper und rannte in die Landschaft. Triumphierend kam er mit einem Rentiergeweih in der gereckten Faust zurück. Elektrisiert von diesem Fund reduzierte sich unsere Reisegeschwindigkeit um etliche km/h und der Blick streifte stets durch die Landschaft. Es sollte nicht die letzte Abwurfstange an diesem Tag gewesen sein. Insgesamt fünf Rentiergeweih konnten wir an diesem Tag einsammeln, ein besonderes Souvenir kurz vor dem Nordkap.
Auf zum Nordkapp – Übernachten am Nordkap im Camper
Die letzten Kilometer zum Nordkap ging es stetig bergauf. Kurz vor der letzten Kurve zum Nordkap Funk der Andy folgendes durch: „ihr werdet es nicht glauben“.
Als wir um die Kurve Bogen, sahen wir, was er meinte, mindestens 50-100 Camper, Wohnmobile und Explorer standen auf dem Parkplatz neben dem Nordkap.
Nach einigem rangieren auf dem Parkplatz hatten wir eine Stelle gefunden, wo wir mit unseren Reisgefährten voreinander stehen konnten. Der Parkplatz war voll mit Individualreisenden, welche sich ebenfalls das Nordkap als großes Ziel gesetzt hatten. Nachdem sich die deutsche „Camper Ute“ beschwert hatte, dass sie nicht rausfahren könne, aber 3 Minuten später den Platz verließ, stieg die Stimmung wieder.
Wir machten uns auf zum ersten Spaziergang zum Nordkap Globus. Da war er: der Globus, welcher den maximal nördlichsten, mit dem Auto erreichbaren Punkt Europas markiert. Der Globus glänzte schwarz in der Sonne, ein Mitarbeiter der Nordkaphallen war dabei, die zahllosen Sticker zu entfernen welche an der Skulptur angebracht wurden. Mit einer schwarzen Farbsprühdose wurde das Monument nachlackiert.
Netterweise ging er kurz zur Seite damit wir unser obligatorisches Foto schiessen konnten. Von der Plattform, 300m über dem Meer, hatte man einen Blick über die arktische Barentsee die sich gelbgolden in der Sonne spiegelte. Ein eiskalter Wind pfiff über das Felsplateu. Ein langer aber wundervoller Weg hatte uns hier hoch geführt, gesäumt von einem schönen Panorama nach dem anderen, die Natur war hier oben unbeschreiblich. Von vielen Leuten hörte man im Vorfeld, dass das Nordkap nicht beeindruckend sei, ich ging allerdings mit einer riesigen Freude im Herzen über die Hochebene. Über uns die glänzende Mitternachtssonne an einem glasklaren Himmel, umgeben von kleinen und großen Abenteurern, meiner geliebten Frau und guten Freunden, was will man mehr? Im Anschluss schnappten wir uns unsere Helinoxstühle, errichteten ein provisorisches Lager an der Plateaukante und genossen mitgebrachtes Rehjerky und Drinks in der Mitternachtssonne. Dick eingepackt in warme Jacken genossen wir das „Sein“.

Am Abend hatten wir ein Festdinner geplant. Als Appetizer gab es Rehleberwurstbrote und Rehjerky aus der heimischen Wildküche. Als Primi piatti: das in Finnland erstandenen Rentier, Secondi piatti: selbstgefangene Königskrabben in Chorizo und dem entstandenen roten Öl gebraten. Andy bereitete als Vitamingeber eine Gemüsebowl zu welche ihres gleichen suchte.
Als Krönung gab es die unglückliche Birkhuhnhenne welche in Finnland unbedingt per Anhalter mitgenommen werden wollte.
Ein wildes Festmahl, alles schmeckte hervorragend.

Der zweite Spaziergang zur Kugel um 1:30 war durch die Drinks noch in größerer Hochstimmung. Die Sonne schien immer noch golden über das Plateau und da am Denkmal nichts los war, kletterten Andy und ich kurzerhand in die Kugel hoch. Der Blick war atemberaubend, aus diesem weltbekannten Denkmal in die Weite der Welt.
Es gab ein grandioses Bild, und der Alkohol verflog durch die Kletter Aktion ein wenig. Ziemlich angetrunken wankten wir später ins Bett.

24.5.2025 Nordkap Erfahrungen: Wetter, Wanderung und Kosten im Überblick
Am nächsten Morgen erwarte ich mit einem ordentlichen Kater, gut geschlafen hatte ich nicht, etwas zerstört drehte ich eine morgendliche Runde über den Campingplatz am Nordkap. Nach einem kurzen Frühstück entschieden wir uns dagegen für 35 € pro Person die Nordkap Hallen zu besuchen. Am Vorabend hatte ich einen Quarzstein vom Nordkapplateau eingesammelt, dies war Souvenir für mich genug. Mindestens ein Drittel der Camper hatte das Plateau bereits verlassen. Der Wind pfiff die Wolken über die Zufahrtstraße. Weiße Wolkenfetzen trieben wie geisterhafte Vorhänge vorbei. Wir machten uns auf, um zu schauen, ob wir den KniftsKnollenweg gehen konnten, um mit einer Wanderung zum nördlichsten (offiziell geographisch) Punkt Norwegens zu wandern. Dies war aber aufgrund der hohen Schneeverhältnisse nicht möglich. Sobald man den Schnee betrat, sank man mindestens 1/2 m ein. Auf dem Weg vom Nordkap nach Henningsvaer lag auf der rechten Seite ein hölzerner Verkaufladen eines Samen. Andy hielt und gab mir per Funk durch, dass er nach einem Messer schauen wollen würde. Wir rollten unterdessen weiter und hielten einige Kilometer den Hügel hinab in einem wunderschönen Tal. Nachdem ich mich ausgiebig in der Sonne rasiert hatte, kam Andy mit seinem Camper angefahren und zeigte mir, was er erstanden hatte: ein wunderschönes und großes Jagdmesser aus Carbon Stahl, mit einem Griff aus Rentierhorn und verschlungener Birke. Nachdem Andy mich kurz überzeugt hatte, dass dies ein Jagdmesser fürs Leben sei, drehten auch wir mit dem Wagen um und fuhren noch einmal zu dem kleinen Verkaufsladen am Wegesrand. Nach einem ausgiebigen Beratungsgespräch durch den Samen (er war Rentier-Horden Führer) kauft auch ich ein Jagd Messer, umgerechnet kostete es 86 €. Ein kleinen Rentierhorn Anhänger gab es kostenlos mit dazu. Von dort aus fuhren wir kurz über einen Supermarkt, wo wir die lokalen Super-Preise bewundern konnten und einem weiteren erfolglosen Angelausflug auf die Mole in Henningsvaer. Gerieten wir in ein Gespräch mit einem polnischen Auswanderer. Er lebte seit 20 Jahren in einem Haus am Hafen. Als wir ihn darauf ansprachen, dass wir nichts fingen, erklärte er uns, dass es am Süßwasser liege, welches von den umliegenden Bergen in die Fjorde floss. Der Fisch könne das Süßwasser nicht gut vertragen und würde sich in tiefere Gefilde verziehen. So hatten wir eine logische Erklärung, bei Google fanden wir keinerlei solche guten Erklärungen, welche eine Entschuldigung dafür gaben, dass wir bisher keinen einzigen Fisch trotz zahlreicher Angelstopps fangen konnten.
Spearfishing Königskrabben
Weiter südlicher wird es wohl besser werden. Er hatte uns auch noch eine Bucht empfohlen, in welcher wohl Heilbutt zu fangen sei, dies stellten wir als nächstes Ziel in unser Google Maps Navigationssystem ein. Als wir am Spot ankamen, erblickten wir von der Straße aus bereits zwei Spearfischer im Wasser. Mit dem Fernglas sahen wir, dass dieser zahlreiche Königskrabben auf dem Spearfishing Float liegen hatten. Ruckzuck hatten wir uns umgezogen und begaben uns ins Wasser. Bereits nach 10 m erblickte ich die erste Königskrabbe und eine weitere und eine weitere. Ich sammelte diese ein und Pfiff Andy im Wasser zu. Auch dieser hatte bereits eine Königskrabbe in der Hand. Als wir immer weiter schwammen, wurde uns klar, dass die gesamte Bucht voll war mit Krabben. Alle 3 m saß eine Krabbe nach der anderen. Unter Felsen saßen oft 20 Krabben zusammen gerottet. Eine unvorstellbare Menge an riesigen Meeresungeheuern. Nur die größten Krabben sammelten wir ein mit einem Stich in den Kopf war es schnell um sie geschehen. Bereits nach einer halben Stunde hatten wir jeder mindestens 300-400 Stück gesehen und nur die besten mitgenommen. Wir schwimmen wieder an Land und präsentierten unseren Frauen den Fang. Schnell wurde ein Camping Gaskocher aufgebaut, und Andy löste aus insgesamt neun Krabben, 72 Beine und Scheren. In mindestens 7-8 Kochgängen kochte ich die Scheren und Beine gar. Nach bereits 5-6 Minuten im heißen Wasserdampf verfärbten sie sich rot und waren gar. Auf den Schieferplatten der Bucht ließen wir die Beine auskühlen. Als alles verpackt und in einer Einkaufstüte zum Transport bereit lag, wog ich die Beine und wir hatten insgesamt 9,8 kg pure Krabben Beine gefangen. Bei 1 kg Preis zwischen 80 und 140 € hatten wir an diesem Tag wohl einen 1000 € Fang gemacht. Unvorstellbar wie viele Krabben in einem Fjord leben mussten, wenn in einer kleinen Bucht von 500 m 10 bis 100 tausende Tiere lebten. Die größte Krabbe, die wir fingen, hatte 2,43 kg.

As wir das erste Mal auf die Uhr schauten, nach dem Tauchgang war es bereits 21:20 Uhr, in der nicht endenden Helligkeit hatten wir die Uhrzeit völlig aus den Augen verloren. Auf dem Weg zum Schlafplatz hielt Andy wieder mitten in der Tundra, er rannte in die Landschaft und reckte plötzlich eine riesige Abwurfstange in die Luft. Die Stange war mit mehreren Schaufeln verziert und ein unglaublicher Fund. Mindestens 75cm in der Länge. Wir fuhren nur noch wenige Kilometer zu einem kostenlosen Rastplatz mit wunderschönen Tischen, in einer kleinen Bucht. Nach einem Abendessen (es gab frisch gebratenes Wildschwein, natürlich Königskrabben, Beine und Königkrabben Rogen auf Brot) fielen wir ins Bett.
An diesem Tag hatte ich meine Batterien vollständig entleert.

25.05.2025 Weiter Richtung Hammerfest: Zwischen Eiswasser und Softeis
Morgens schliefen wir etwas aus und wanderten nach dem Frühstück zum Meer herunter. Hier ergoss sich ein glasklarer Schmelzwasserbach in einen Kies Pool, der 2 m tiefe Kieselgrund blitzte im bläulichen Wasser. Wir sprangen hinein und wuschen uns im eiskalten Nass. Vom erquickenden Wasser erfrischt fuhren wir nach dem Frühstück in den nächsten Fjord, in der Stadt Hammerfest machten wir kurz Halt um unsere Frischwasserreserven und Miriams und meinen Softeispegel aufzufüllen. Es ging weiter in eine kleine Bucht auf der anderen Seite der Insel. Dort ließen wir es langsam angehen. Anika und ich dösten zwei Stunden in der Sonne während Andy und Miriam eine kleine Wanderung absolvierten. Als Andy vom nahegelegenen Haus zurückkehrte, wo er erfragen wollte ob es in Ordnung sei das wir vor der Tür übernachteten, kam er mit 5 Flaschen selbstgebrautem Bier des Hausbesitzers zurück. Die Norweger waren einfach zu gastfreundlich. Zum Abendessen panierte ich den Heilbut, welcher sich als Dorsch entpuppte. Dennoch schmeckte er hervorragend. Satt und zufrieden ging es mal wieder ins Bett.

26.05.2025 Spearfishing im Altafjord: Auf der Jagd nach dem Heilbutt
Nachdem ich Andy sträflicherweise bei der morgendlichen Spearfishingverabredung hatte sitzen lassen ging der Morgen sehr gemächlich zu. In der Morgensonne schmiedeten wir den Plan für den Tag: Auto Bunkern, Lebensmittel einkaufen und nach einem kurzen Stop an den Sehenswürdigkeiten von Hammerfest und dem obligatorischen Besuch im Jagd und Fischladen ging es weiter Richtung Alta Fjord. An einer uns passend scheinenden Bucht gingen Andy und ich erneut mit der Harpune ins Wasser. Nachdem wir 600 m geschwommen waren, kam Andy plötzlich aufgeregt zu mir geschwommen und berichtete, dass er einen circa 1,5 m langen Heilbutt gesehen hatte. Groß wie eine Tischplatte. Während er sich noch für den perfekten und vor allem auch sicheren Schuss breit machte, zog der Fisch ins tiefe Wasser: Chance verpasst, so ist das halt. Von diesem kurzen Erlebnis angepeitscht schwammen wir noch die gesamte Bucht ab. Ein weiterer Fisch ließ sich allerdings nicht blicken. Das Wasser hatte 5,5° C und anderer Fisch war leider nicht in Sichtweite. Nach einer kurzen Aufwärmphase fuhren wir weiter auf die andere Seite des Fjord. An einer Steinpackung mit Parkgelegenheit machten wir halt um nachts hier zu kampieren. Andy und ich warfen unmittelbar die Ruten ins Wasser. Und tatsächlich relativ schnell konnte Andy erst einen Dorsch und später einen Schellfisch von circa 45 cm fangen.
Endlich der erste Fisch, da war er.

Nachdem wir das leckere Abendessen, welches unsere Frauen zubereitet hatten, aßen angelten Andy und ich bis spät in die Nacht. Um 2:30 Uhr hatten wir insgesamt drei Dorsche eine große Klische und den besagten Schellfisch gefangen. Ziemlich angetrunken filletierten wir noch die Fische am Wasser. Hierbei rutschte einer der Fische ins Wasser, und ich hechtete hinterher, hierbei landete ich Arm tief im Wasser zwischen den Steinen der Steinpackung, und meine Jacke wurde mit dem eiskalten Wasser getränkt. Nachdem der Fisch Peek abgewaschen war, kochen wir glücklich und zufrieden ins Bett.
27.5.2025 Steinbeißer mit der Brandungsrute und Walwurst am Nachmittag
Die Brandungruten hatten wir über Nacht im Wasser gelassen und im etwas unruhigen Schlaf immer wieder gehorcht ob das Aalglöckchen klingelte. Morgens ging ich als erstes in langer Unterhose und T-Shirt in den morgendlichen Sonnenschein, um die Rute zu kontrollieren. Als ich sie einzog war tatsächlich ordentlich Druck auf der Spitze. Kurz vor dem Ufer sah ich es schon im klaren Wasser: ich hatte einen Steinbeißer gefangen, diese martialisch aussehenden Tiere sind für ihre Beißkraft bekannt. Der 1,2 kg schwerer und 49 cm lange Fisch zerbiss auch sogleich einen Ast, welchen ich ihm in den Mund sperrte. Die steingraue Haut glänzte in der Morgensonne, so konnte der Tag gerne beginnen. Schnell filetiert wir noch den Steinbeißer, bevor es zum nächsten Punkt der Tagesordnung ging.

Canyon Alta Fjord
Wir wollten uns in der Nähe des Alta Fjord den größten Canyon Nordeuropas anschauen. Als wir am Parkplatz zum Trail ankamen, war der Weg allerdings gesperrt. Bis zum Startpunkt der Wanderung waren es noch 4 km über einen Schotterweg. Dennoch machten wir uns für eine kleine Wanderung bereit und gingen durch die Kiefernwäldchen. Stetig ging es bergauf, und die Kiefern gingen wiederum in eine Winterlandschaft über. Der Weg war voller Schneeverwehungen, in welche man teilweise knietief einbrach. Als wir nicht mehr weiter kamen machten wir am offiziellen Startpunkt der Wanderung eine Pause. Bis zum Horizont erstreckte sich die Tundraartige Landschaft. Andy hatte in einem Supermarkt Minkwal Wurst gekauft, welche wir nun probierten. Die Walwurst schmeckte leicht nach Weihrauch. Somit strichen wir beide nun auch das Essen von Wal von unserer Bucketlist. Später machten wir eine erneute Spearfishing Runde in einer schönen Bucht. Fische gab es leider hier auch wieder nicht zu sehen. Wir schwommen insgesamt 3 km in 2 Stunden im 5° C kalten Wasser. Dies verbrennt Kalorien ohne Ende. Meinen Gürtel konnte ich danach nicht mehr enger schnallen, war ich doch schon auf dem letzten Loch. Das ist Aktivurlaub vom feinsten. Zum Abend hin fuhren wir an einen schönen kleinen Standplatz an einer Kirche an einem Seitenarm des Fjords. Nachdem wir die Brandungsrute wieder in die Tiefe versenkt hatten, bereiteten wir Dorsch im Bierteig zu. Im kalten Wind kühlten die Gaskartusche des kleinen Brenners allerdings so stark ab, dass nur ein regelmäßiger Kartuschenwechsel das Öl auf Temperatur hielt. Das Abendessen schmeckt hervorragend, den erste gefangene Fisch hatten wir hart erkämpft.
29.05.2025 Angeln im Øksfjord
Morgens holten wir als ersten wieder die Angelrute ein, welche wir nachts ausgelegt hatten und tatsächlich, es hing wieder ein Dorsch an der ausgelegten Route. Kurze Zeit später waren die roten Reker (Eismeergarnelen) erneut ausgeworfen. Wir verbrachten den Morgen in der blendenden Morgensonne. Kurze Zeit später klingelte die Glocke an der Angelrute erneut und erneut biss ein schöner fünfziger Dorsch. Nachdem wir die zwei Dorsch filetiert und bis circa 14:00 Uhr in der Sonne gedöst hatten, machten wir uns auf den Weg in den nahe gelegenen Øksfjord, da der große Fang bisher ausblieb, versucht Andy und ich vergeblich im Tagesverlauf, uns ein Boot zu organisieren. Alle Angebote waren bis 2027 ausgebucht. Manche Angelboot Anbieter riefen Fantasiepreise von 500€ pro Tag auf. In einer kleinen Stadt im Øksfjord unterhielten wir uns mit einem lokalen Angeltour Anbieter. Dieser empfahl uns einen Niederländer, welcher vermeintlich ein Boot hätte, aber auch dieser ließ uns, nachdem er das Boot kontrolliert hatte, im Regen stehen. Wir suchten uns eine schöne Stelle, an welcher eine steile Kante in den Fjord hinunter führte. Nachdem wir vergeblich versucht hatten, erneut in der Tiefe Dorsch zu fangen bereitete Andy uns ein erneutes grandioses Abendessen aus der restlichen Wildschweinkeule zu. Mit ordentlich selbst angebautem Chili garniert schmeckte sie hervorragend.
Der fast Sonnenuntergang am Ende des Fjordes, mit den im Hintergrund liegenden schneebedeckten Gipfeln und den umgebenden Berge war magisch. Als wir bereits im Bett lagen, erklang auf einmal kuhglockenartige Geräusche neben unserem Camper. Als wir die Blenden der Fenster hoch zogen blickten wir auf eine kleine Rentierherde welche 2 m neben unserem Auto friedlich graste. Ein Erlebnis kurz vor dem einschlafen welches die ungeheuere Natur Norwegen’s verdeutlichte.


29.05.2025 Gute Angelplätze in Norwegen von der Küste finden – Tipps und Tricks – Küstenangeln
Am nächsten Morgen schliefen wir etwas aus und nachdem wir den Plan für den Tag gefasst hatten, machten wir uns auf den Weg, langsam mussten wir an die Teilung der weiteren Reiserouten denken. Andy und Miriam hatten eine Woche mehr Urlaub als wir und so planten wir, wie wir über die Lofoten nach Hause fahren würden. Als Abendziel setzen wir uns eine kleine Fährstadt (Olderdalen) im Kåfjord. Gegen 19:00 Uhr fuhren wir an einer Mole vorbei, welche an einer Fabrik lag. Während Anika fuhr, überprüfte ich ständig Google Maps und die Tiefen auf den Seekarten des Fjordes. Zusammen genommen gibt dies ziemlich gut Informationen, wo Fisch zu erwarten war. So gab ich Andy kurz durch, dass wir an der Mole kurz halt machen wollten, um ein paar Würfe mit der Rute zu werfen. Als wir kurz hinter der Fabrik hielten, empfingen uns ein fieser Geruch als wir allerdings an der Fabrik vorbei gingen, blendete uns der Sonnenschein auf der Mole. Wir schauten ins Wasser und in der Steinpackung der Mole waren endlose Mengen an kleinem Futterfisch. Es waren kleine Seelachse welche den Schutz in den Steinen suchten. Hastig warfen wir die ersten Gummifische in das blaue Nass. Direkt beim ersten Wurf kam ein guter Biss. Endlich, ein guter Biss auf die Spinnrute. Über die Steinpackung hoch gekurbelt erblickte ein maßiger Dorsch die Luft. Angepeitscht von diesem ersten Fang warfen wir erneut und direkt hagelt es den nächsten Biss. Auf der geflochtenen Leine machte es unfassbaren Spaß. Nachdem wir die ersten fünf Dorsche raus gekurbelt hatten. Ging es immer weiter. Nach guten 60 Minuten hatten wir 13 Dorsche bis zu 75 cm und 3 kg gefangen. Endlich ein guter Fang. Die Dorsche glänzen in der Sonne. Zusammen genommen waren es sicherlich mehr als 15 kg Fisch. Nachdem wir einige Abrisse mit Gummifischverlust kassiert hatten und die Bisse mit dem ablaufenden Wasser nachließen, ließen wir es gut sein. Schnell filetiert wie die Fische und hatten sicherlich 5-6 kg Filet zusammen. Schon wieder war es 21:15 Uhr und wir machten uns schnell auf die Suche nach dem nächsten Schlafplatz. Hinter einer im klassischen rot gestrichenen Kirche fanden wir einen schönen Rastplatz. Die Dorsche wurden im mitgebrachten Vakuumierer einvakuumiert. Eine ordentliche Ladung Fisch verschwand in unseren Kühltruhe. Nach dem obligatorischen Fisch Abendessen krochen wir erneut von diesem von Überraschungen geprägten Tag in unsere Betten. Vom Nordkap waren wir mindestens 300 km südlich gefahren, bevor der erste Fisch auf einer Spinnrute biss. Wir waren selbst davon überrascht, wie viel Einfluss das kalte Gebirgs- Schmelzwasser auf die Fische hatte, nun hatte er dies aber scheinbar ein Ende.

30.05.2025 Spearfishing auf Sommerøy
Am nächsten Morgen standen wir früh auf um auf die wunderschöne Insel Sommerøy zu fahren. Um 8:00 Uhr ging es los und bereits nach 40 km sichtete Andy im Wasser an einer Steilwand, einen riesigen Schwarm Möwen, welcher immer wieder durch die Wasseroberfläche brach. Sofort bremsten wir und hielten in der nächsten Haltebucht. Ruckzuck rissen wir die Ruten aus dem Camper und stolperten wie von der Tarantel gestochen die Steinpackung zur Wasseroberfläche hinunter. Das Wasser tobte. Ein endloser Scharm Seelachs jagte Garnelen, welche sich kurz vor unseren Füßen befanden. Überall sprang und spritzt es. Schon nach wenigen Würfen waren die ersten Seelachs gelandet. Sie waren wahre Kampfmaschinen, ein massiger, stromlinienförmiger Körper und ein kräftiger Schwanz, welche den Fisch pfeilschnell beschleunigen kann. Nach 45 Minuten hatten wir 8 Seelachse gefangen. Als wir die wunderschönen Fische später ausnahmen und den Magen eröffneten, ergoss sich eine Flut frischer, glasigroter, kleiner Garnelen aus dem Bauch. Dieser Fisch war nicht vergleichbar mit Zuchtfisch welcher in Supermärkten zu kaufen war. Dieser Fisch hatte sich von den frischesten Garnelen ernährt und war mit ihnen gewachsen. Keinerlei medizinische Behandlung hatte dieser Fisch erfahren. Das ist gesundes Essen. Nachdem circa 4 kg Filet verstaut waren, ging es weiter.

Sommorøy
Nach 2 Stunden Fahrt erreichten wir die Insel Sommorøy. Eine sternförmige Insel umgeben von weißen Sandstränden. Das türkisblaue Wasser machte die Karibik Atmosphäre perfekt. Süße kleine und sehr gepflegte rote Häuschen standen auf der Insel. Wir fuhren auf einen Campingplatz angezogen von dem Schild: “no Dogs, no Kids, just silence”. Nach einigem verhandeln mit dem Besitzer durfte Andy seinen Hund im Wagen mitnehmen. Die Übernachtung kostet 20€, aber dies war es wert, vom Campingplatz, auf dem gerade mal drei Wagen standen, blickte man in die türkisblaue Bucht. Nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, machten Andy und ich uns für eine letzte Runde gemeinsames Speerfischen bereit. Wir pflügten circa 2 km durchs Wasser. Fisch war allerdings keiner zu sehen. Tja, man hat nicht immer Glück. Ich war mir aber sicher, dass Andy im weiteren Verlauf des Urlaubs noch einen Heilbutt schießen würde. Abends bereiten wir als letztes gemeinsames Mal, den Seelachs im Mehl paniert zu, dazu gab es Tortilla: ein würdiges Abschlussessen abgerundet von 1,2 Schluck gutem Whisky. Wir brauchen ins Lachen aus, als ich von der Toilette wieder kehrte und Andy in seiner Fjell Raven Camouflage Jacke vor dem Stein nicht erkennen konnte. Wir machten uns anschließend einen Spaß daraus, uns in der Felswand zu verstecken. Miriam schoss ein Foto und tatsächlich verschwommen Andy in seinem Stein Camouflage und ich in meinem grünen Hoody komplett mit der Umgebung. Am kommenden Morgen wollten wir uns trennen, Andy und Miriam hatten noch eine Woche Urlaub mehr als wir und wir machten uns auf auf den Weg zu den Lofoten.


31.05.2025 Dorsche angeln Norwegen von der Küste aus
Morgens verabschiedeten wir uns von Andy und Miri, wir hatten 2 schöne Wochen mit ihnen verbracht, Sie waren die idealen Reisebegleiter, immer unkompliziert, gut gelaunt und für jeden Spaß zu haben, alle ergänzten sich perfekt. Um 8:45 erwischten wir die Fähre nach Senja. Auf der Fähre schlummerten wir etwas vor uns hin. Frühaufsteher waren wir beide nicht. Die Insel Senja war die zweitgrößte Insel Norwegens und war für ihre Lofoten ähnliche Gestalt bekannt, im Gegensatz zu den Lofoten aber nicht übermäßig befahren. Große dunkle Bergzacken reckten sich empor. Langsam verwandelte sich das morgendliche Grau in Sonnenschein. Wir durchquerten Senja von Nordost nach Südwest.
An einem Trollpark hielten wir kurz, allerdings war noch alles geschlossen. Wir entschieden uns gegen die Fährüberfahrt am Gryllefjord nach Andenes, verkehrte diese Fähre doch nur 2/Tag.
Über den Landweg ging es Richtung Lofoten. An einer Lachsfarm (diese gab es in den Fjorden häufig, kreisrunde schwarze Potons, mit grünen Netzen bedeckt. Hier wurde der atlantische Lachs gezüchtet, bereit für die Reise in die europäischen Supermärkte) blickte ich wie immer ins tiefblaue, glasklare Fjordwasser, es fiel steil ab, das sah gut aus. Anika, anhalten! In der nächsten Haltebucht bremste meine Frau ohne murren, auch Sie aß gern Fisch. Ich stolperte sogleich die Böschung runter und warf aus: direkt ein starker Biss, kurze Zeit später kurze Zeit später kurbelte ich einen 60iger Dorsch hoch, dann noch einen und noch einen. Ich bot Anika an es auch einmal zu probieren und nach einer Blitz-Angel Einführung zappelte ein 40iger Dorsch am Stahlvorfach in Ihrer Hand. Sie war sichtlich Stolz und ich war es auch. Einfach eine Hammer Frau! Sie machte alles mit und den Satz: ihr habt heute genug gefischt, hörte ich nicht einmal.

Weiter ging es über den Narvik Fjord (hier hatten die Deutschen 1943-1945 vergeblich die Invasion erwartete) auf die ersten Inseln von or den Lofoten. Wir suchten bei Park4Night einen guten Stellplatz und konnten schoneinmal absehen wieviel Wohnmobile sich über die Lofoten schleichen würden. Nach einigem Suchen fanden wir allerdings einen schönen Platz an einer Flussmündung. Ein anderer Camper befand sich ebenfalls auf der Parkfläche. Als ich los zog, um Feuerholz zu holen, bot er mir großzügig sein feinstes, mitgebrachtes perfekt gehacktes Birkenholz an hiermit entfachten Anika und ich ein Feuer, und als wir uns aufwärmt brachte uns der Norweger noch zwei kleine Underberg Schnaps. Bisher hatten wir von den Norwegern nur Freundlichkeit erfahren. Leicht eingeräuchert gingen wir zu Bett.
01.06.2025 Trockenfisch Lofoten
Am nächsten Morgen stieß ich mir nach dem Aufwachen so heftig den Kopf an einer Kante des Camper das es stark blutete. Ein mäßiger Start auf den Lofoten. Zuerst ging es nach Svolvær, eine kleine Hafenstadt, hier genossen wir im Restaurant Bacalao den örtlichen Lofoten Stockfisch und eine Fischsuppe. Es schmeckte hervorragend. Vor der Stadt standen die riesigen Trockengestelle für den Trockenfisch. Hier wurde der Skrei an der frischen Seeluft getrocknet, welcher im Janur bis März gefangen wurde. Es gab zwei Arten von Gestellen: die für den Körper des Fischs und die für die Köpfe. Die Körper waren für den europäischen Markt bestimmt (vorwiegend Norwegen und Portugal), die Köpfe werden in den afrikanischen Markt exportiert. Hauptsächlich in Nigeria wurde hieraus Fischsuppe hergestellt. Die in Dreiecksform aufgestellten Gestelle trugen hunderte Tonnen Fisch. Ein leichter Fischgeruch lag in der Luft, nicht unangenehm. Wir spazierten zwischen den Gestellen umher und schossen ein paar gute Fotos.

Weiter ging es nach Henningsvær. Bekannt war die Stadt für den Kunstrasen-Fußballplatz der auf einer vorgelagerten Insel lag. Eine tolle Szenerie. Auch das Fischerörtchen machte was her, schöne kleine Lädchen zwischen roten Häusern.
Abends kochten wir ein paar Königskrabben Beine, Sie mussten Platz in der Tiefkühltruhe für den gefangenen Fisch machen. Purer Luxus, 100€/kg Krabbenbeine zubereiten zu müssen um Platz für frische Fischfilets zu schaffen. Das ist Norwegen.
02.06.2025 Reinebringen Lofoten – Wanderung mit Aussicht
Nachdem ich morgens hoch vorsichtig das Bett verließ um mir nicht nochmal den Kopf zu stoßen prasselte leichter Regen auf den Camper. Heute stand der Reinebringen Trail und Å i Lofoten auf dem Tagesprogramm. Auf dem Weg zum Reinebringen hielten wir nochmal kurz an einer Steinkante und ich kurbelte erneut 4 mittelgroße Dorsche an Land, die kurzen 40-60g roten Metallpilker mit Drilling am Ende waren ideal. Ein Metallvorfach verhinderte, dass die geflochtene Schnur sich an den Felsen aufrieb. Gegen 14:30 erreichten wir den Parkplatz hinter dem Reinebringen. Viele Camper standen bereits auf dem Parkplatz, hinter dem Tunnel der Reine Richtung Å verließ. Nachdem wir uns die Wanderschuhe angeschnallt hatten ging es in leichtem Nieselregen zum Trailhead. Nun ging es ca. 2000 Stufen 448m in die Höhe. Errichtet aus Granitstufen mit einer Tritthöhe von 20-40cm führte der Weg durch den norwegischen Frühling steil bergauf. Der Puls schnellte ziemlich in die Höhe, für untrainierte Leute oder mit Höhenangst war dieser Weg sicherlich nichts. Der Blick am Gipfel auf die Stadt Reine entschädigte für die Anstrengung. Man blickte über die weite Inselwelt der Lofoten. Das Panorama war die meist fotographierte Aussicht der Lofoten. Sie war das Aushängeschild und das zurecht. Steil ging es den Bergrücken hinab, ein falscher Tritt am verregneten und leicht schlammigem Gipfel und es wäre vorbei gewesen. Als Anika noch eine Packung Knäckebrot herausholte, erinnerte es mich an Herr der Ringe, als Samwise Ganshi und Frodo ihr Lembasbrot aßen. Nachdem das Lembas uns gestärkt hatte (ein Bissen vermag den Magen eines ganzen Mannes zu füllen) und wir einige witzige Videos gedreht hatten ging es bergab. Die Treppen von Kirith Ungol. Am Ende des Trails hatten wir leichte Puddingbeine. Durchnässt aber glücklich freuten wir uns auf unseren Camper. Wir rochen wie nasse Hunde.

In Reine gab es für die beiden Hobbits eine zweites Mittagsessen, kurz vor dem Abendessen. In Anitas Seafoodbar genossen wir ein Fischbrötchen mit frischen Rekern, Dorschfrikadelle und norwegischem Lachs. Zum Probieren gab es geräucherten Wal, dieser schmeckte etwas fischig, aber nicht unangenehm. Abgerundet von einem Lofotenpils, eine gute Stärkung.

Orcas in Å i Lofoten
Um 19:00 machten wir noch einen Abendspaziergang durch Å i Lofoten (Å, auf Norwegisch „das Ende“). Ein kleines von roten Fischerhäusern gesäumtes Dorf, auf den Dächern nisteten die Möwen. Am Ende der Mole stand ein Paar und blickte mit Ferngläsern in den Narvik Fjord. Und tatsächlich: in ca. zwei Kilometern Entfernung jagte ein Trupp Orcas. Zwar war es weit entfernt, aber immer wieder sah man deutlich die schwarzen Schwerter der Wale, die schwarz-weißen Köpfe und den Blas aus dem Meer aufsteigen. Es mussten mindestens 4-5 jagende Wale sein. Möwen stießen um sie herum, Pfeilen gleich, ins Wasser. Sicher hatten Sie einen guten Schwarm Heringe gefunden.
Ein weiterer kleiner Glücksmoment hier in Å. Nachdem wir die Wale 20 Minuten bei der Jagd beobachteten hatten schlenderten wir weiter. Einige Angelanbieter hatten ihre Stege mit Booten im Hafen. Eine holländische Angeltruppe landete gerade ihren Fang an. Die verpeekten Figuren im Floatanzug schleppten Kisten voll Fisch an Land (gekrönt von einem 10kg Dorsch mit einem Schäferhund großem Kopf und einem 1m Heilbutt). Beim filetieren schnitten sie nur die schönsten Filets aus den Fischen, extrem viel Verschnitt landete in den Mortelkübeln, dies machte mich traurig. Die Naturressourcen gehören allen, aber man sollte Sie auch entsprechend würdigen. Das war ein ein Verhalten das ich nicht verstand, Andy und ich versuchten die Naturgüter die uns gegeben wurden auch entsprechend zu schätzen. Aber das Karma wird es wohl richten.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz vor dem Reinebringen. Die kleine Insel ragte in die tosende See. Ich kraxelte um 21:30 über die Felsen ans Wasser und angelte in der schäumenden Brandung. Ein guter Dorsch bog vor meinen Füßen den Wirbel des Stahlvorfachs auf. Kurze Zeit Biss aber ein 1,5kg Seelachs und um 22:30 ein 2,5kg Pollack. Das anlanden auf den glitschigen und steilen Steinen war nicht einfach, gelang aber, Kescher sei Dank. Ein toller Fang, nach einer schnellen Fillitieraktion gab es im kurz vor Mitternacht noch eine Linsensuppe, die Anika zubereitet hatte. Am nächsten Morgen sollte es von Moskenes nach Bodø auf das Festland zurückgehen. Auf Anraten der Einheimischen hatten wir sie Fähre online vorgebucht. Es funktionierte online problemlos, für 2 Passagiere und einen bis maximal 6,00m Camper 74€. Ein fairer Preis, wenn man bedenkt das der Landweg ungefähr 600km betrug.
03.06.2025 Saltstraumen – stärkster Gezeitenstrom der Welt
Am nächsten Morgen ging es zum Fährterminal von Moskenes, die Einschiffung klappte problemlos. Die große Fähre öffnete ihren Bug und es ging in den Bauch des stählernden Ungetüms. Am Oberdeck betrachteten wir die Lofoten wie Sie langsam kleiner wurden. Als wir die offene See erreichten nahmen wir in den Aufenhaltsräumen Platz. Nach einem kleinen Hotdogmittagssnack ruhten wir die insgesamt 3,5 Stunden dauernde Fahrtzeit. Die Fähre pflügte durch die Wellen und begann ordentlich zu schwanken. Kurz vor Bodø beruhigte es sich wieder.
Sauna Fauna in Bodø
Das diesige und kalte Wetter ließ mich etwas frösteln und so gab ich Sauna in die Suchzeile bei Googlemaps ein. Und tatsächlich gab es neben dem Hafen von Bodø die Sauna „Sauna Fauna“, für 16€/90min endlich mal ein angemessener Preis (in Norwegen waren Preise von 200€/60min keine Ausnahme). Um 15:00 öffnete die Saunameisterin in einer Kaki Latzhose und wies uns ein. Die mit Holz befeuerten Saunen waren herrlich warm. Man blickte aus dem Fenster auf den Narvik Fjord. Die aus Holz gezimmerten Sauna und ein kleine Terrasse ragten über die Felsen in das Meer. Zur Abkühlung konnte man in das 8 Grad kalte, petrolfarbe Meerwasser steigen, was wir auch gleich taten. Nach 3 Runden saunieren machten wir uns erfrischt auf den Weg Richtung Saltstraumen. Hier wollten wir den größten Gezeitenstrom der Erde einen Besuch abstatten.
Saltstraumen beobachten auf der Saltstraumenbrua
30 km neben Bodø hielten wir unter der Brücke die über die Meerenge führte. Von der Saltstraumenbrua hatte man einen herrlichen Blick auf die tosenden Fluten. Mit einer riesen Geschwindigkeit zog das Wasser strudelnd unter der Brücke weg. Überall bildeten sich kleine Malströme und Touristen- RIB Boote trudelten fröhlich im Wasser. Eine kleine Angelaktion im tiefen Wasser endete nur in einem weiteren Abrisshänger. Weiter ging es, wollten wir doch heute noch die Grenze nach Schweden passieren. Einen unfreiwilligen Stopp an einer Tunneldurchquerung nutzten wir um die Kingcrab Buns für den Abend vorzubereiten. Am Grenzübergang Junkerdal waren um 22:30 alle Tore geschlossen. Kurz hinter der Grenze überquerten wir zum zweiten Mal den Polarkreis, genau dort wo Wladek und ich 3 Jahre zuvor Eis gegessen, Rührei gekocht und Schöffehofer Weizenbier genossen hatten. An einem See auf einer polaren Hochebene hielten wir für die Nacht. Absolute Stille empfing unseren Van. Die Mitternachtssonne leuchtete ein letztes Mal für uns. Die Kingcrabbuns (Königskrabbe, Weiskohl, Saure Gurken, Stangensellerie, Mayo, Limette, Chilli, Salz und Pfeffer) schmeckten hervorragend. Wir verabschiedeten uns gedanklich vom norwegischen Wunderland, welches jedesmal eine neue Überraschung bereithielt. Diesmal waren es Fjorde voll riesiger, spitzer Königskrabben gewesen, damit hatten wir so auch nicht gerechnet. Erschöpft vom langen Fahr- und Fährtag ging es ins Bett.

04.06.2025 Blaubeeren in Schweden
Morgens standen wir früh auf und machten uns auf Richtung Heimat. An diesem Tag wollten wir viel Strecke machen und wir genossen die letzten Kilometer durch die schwedische Natur. Wechselhaftes schwedisches Wetter, mal Sonne, mal Regen zeigte wie schnell es zwischen trist und wunderschön wechselte. Bei Sonne glänzten die Bäume in allen Grünschattierungen, bei Regen ging alles in ein eintöniges Grau- Grün über. Nach 800 km Tagesstrecke und einem kleinen Zwischenhalt, um gefrorene Blaubeeren zu kaufen, hielten wir an einem schwedischen See 200 km vor Stockholm. Viel Strecke war der Preis welchen man zahlen musste um so hoch in den Norden zu gelangen.
05.06.2025 Park4Night Dänemark
Nachts wachten wir beide auf, ein heftiger Regenschauer ging auf unser Mobil nieder, das laute Prasseln war ein beruhigendes Hintergrundgeräusch und ich versank wieder im Träumeland. Ein weiterer fahrtreicher Tag bot nicht viel Abwechslung. In Stockholm gerieten wir in den zweiten Stau der Reise (wie bereits erwähnt war der erste bei Bremen). Nachdem wir die Storebæltsbrücke überquert war betraten wir erneut Dänemark. Auf der Insel Fyn suchten wir erneut bei Park4Night einen Platz zum schlafen. Wir fanden in einem baumumwachsenen, dunkelgrünen Waldkessel eine tolle Übernachtungsmöglichkeit, umgeben von Bäumen umfing uns das erste mal wieder richtige Dunkelheit. Das abendliche Vogelgezwitscher und ein kurzes Abendessen ließ uns ruhig schlafen. 980km hatten wir an diesem Tag geschafft.
06.06.2025 Spearfishing in Dänemark
Morgens ging es weiter, wir hatten geplant noch einen Zwischenstopp in Alsen in Süddänemark zu machen. Die 280 km nach Alsen fuhren wir durch starken Regen. Im Windfinder und RegenRadar studierte ich die Wasserverhältnisse die uns erwarten würden. Am ersten Spot erwartete uns eine starke Brandung, wir entschieden uns deshalb noch spontan auf die windabgewandte Seite der Insel zu fahren. Dies war der Vorteil einer runden Insel: es gibt immer eine ruhige, windabgewandte Seite zum Speerfischen. Das Wetter klarte auf und die Sonne zeigte sich. Im Wasser hatte ich eine Sichtweite von guten 3-4m: ausreichend! Nach einiger Strecke konnte ich auch die erste Flunder strecken. Der Anfang war gemacht. Von nun an ging es Schlag auf Schlag und nach guten 2 Stunden tauchen waren 8 Flundern und 2 Schollen am Stringer. Das Wasser hatte angenehme 11 Grad, dennoch fror ich nach 2 Stunden ordentlich. Aus dem Wasser wurden die Fische schnell ausgenommen und vakuumiert.

07.06.2025 Holsten Therme Kaltenkirchen
Am nächsten Morgen schliefen wir aus und machten uns einen entspannten Vormittag am Strand. Wir frühstückten in der Sonne und genossen die Sonnenstrahlen welche zwischen den Wolken hervorlugten. Die Dänen angelten am Strand und genossen ihr wunderbares Land. Als Mittags Regen aufzog machten wir uns auf in die schöne Stadt Sønderborg. Wir flanierten durch die von den dänisch rot weißen Flaggen geschmückte Stadt. Nach dem obligatorischen Smørrebrød schwangen wir uns beim erneut aufkommenden Regen wieder auf unser Camper Ross. Das Ziel des Abends war die Holsten Therme bei Kaltenkirchen, welche wir nach 160km Regenfahrt erreichten. Wir genossen die schön angelegte Therme und die thematischen Saunen im ausgeliehenen Bademantel. Unser eigenes “Saunahandtuch”, welches nach 3 Wochen Norwegen einen durchaus seltsamen Spezialgeruch angenommen hatte war allerdings etwas befremdlich. Nachts stellten wir uns auf einen kleinen Parkplatz neben der Therme. Die letzte Dose Linsensuppe gab uns ein sättigendes Abendessen.
08.06.2025 Home sweet home
Die letzten 430 Kilometer steuerte Anika uns sicher mit einem kleinen Mc Donalds Frühstück nachhause. Gegen 13:20 erreichten wir Köln und entluden mithilfe meines Schwiegervaters den Wagen. Die Rückgabe des Campers klappte problemlos, der Citroën Jumper Vica hatte uns in den insgesamt 8585 Kilometern treue Dienste geleistet. Eine wahrlich gelungene Reise in ein Land von endlos schönen Panorama, wo hinter jeder der langen Straßen ein neues Abenteuer auf seine Entdecker wartet. Der Norden war ein Stück naturbelassene Erde welches man in Zentraleuropa lange suchen konnte.




