Reisebericht

Jagen in Bosnien und Herzegowina – Winterjagd zwischen Schakalen, Schnee und Gastfreundschaft



Winterjagd in Bosnien und Herzegowina erleben: Dieser atmosphärische Jagdreisebericht nimmt dich mit zur SchakaljagdGänsejagd und Fasanenjagd im tief verschneiten Norden Bosniens nahe der kroatischen Grenze. Zwischen wilden Offroad-Fahrten durch Schneestürme, eisigen Ansitzen auf bosnischen Kanzeln, nächtlicher Pirsch mit Wärmebildtechnik und herzlicher bosnischer Gastfreundschaft entsteht ein einzigartiges Abenteuer voller Freiheit, Natur und Jagdromantik. Eine intensive Reise durch Schnee, Wildnis und den rauen Charme des Balkan.


Ankunft in Bosnien – Zwischen Schakalen, Fischteichen und bosnischer Gastfreundschaft

02.01.2026 Ankunft

Der Flieger zieht nach Osten fort,

Bosnien ruft mich leisem Wort.

Kanzel, Ofen, Flintenklang,

Morgen liegt schon im Gesang.

Sonne wärmt das Winterland,

Feuerduft liegt unverwandt.

Ein Dorf lacht hell, gibt mir Namen neu,

Mustafa – und ich bin frei.

Teiche schweigen in der Nacht,

noch kein Ruf, noch keine Macht.

Doch früh, wenn Gänse ziehen weit,

beginnt die Jagd, beginnt die Zeit.

Um 06:50 ging es los, der Wizzair Billigflug, welchen ich 3 Monate zuvor gebucht hatte führte nach Tuzla. Lange hatte mein Freund Samir mir immer wieder mit kurzen Sätzen die Jagd in seinem Heimatland angepriesen. Schakale jagen aus der mit einem Ofen beheizten Kanzel. Singende Fasane welche aus den Dickungen aufsteigen: klack, klack, klack, das Geräusch der Schrotflinte. Gänse, Schnepfen, Enten und Schwäne mit Hälsen wie eine Anakonda. Luft und Freiheit. 

Wie konnte ich das Angebot, ihn dort zur Winterjagdzeit zu besuchen ausschlagen? Unmöglich.

Im kleinen Handgepäck war meine Jagdausrüstung gestopft: warme Socken, Wärmebildkamera, Kameras, lange Unterhosen, Gehörschutz und was man sonst noch so braucht. Die dicke Jagdjacke, die Jagdstiefel zog ich gleich im Flugzeug an, andernfalls wäre mein Gepäck wohl geplatzt. Der gemietete Wagen kostete lediglich 45€ für 3 Tage.

Schneesturm-Bosnien-Tuzla-Flughafen-Jagen-Winterjagd Ausrüstung

In grün gewandt blickte ich aus dem Flieger über schneeweiße Flächen und Berge als der Flieger ostwärts glitt. Als der Flieger den bosnischen Boden berührte empfingen mich allerdings angenehme 13 Grad und Sonnenschein. Nachdem die Mietwagen Kausalitäten geklärt waren ging es auf Richtung Norden. Der weiße Peugeot glitt über die Landstraßen, vom Sonnenschein berührt, mit offenen Fenstern und mit bosnischer Spotify Musik kam direkt Urlaubsfeeling auf. Die Luft roch nach Feuer, die Natur war im Winterschlaf, der Weg gesäumt von Moscheen, Auto Schrottplätzen und weiten Blicken. Nach 2,5h Fahrt kam ich am Ziel an: Gornje kolibe, ein kleines Dorf nahe der kroatischen Grenze. Freundlich wurde ich von Sanir und einem Freund empfangen. Nach einer kleinen Stärkung ging es zum obligatorischen Großeltern kennenlernen. Vor dem Haus der Familie empfing mich schon Samir. Voller Sägespäne umarmten wir uns herzlich. Seinem Freund Enes, einem braungebrannten Anpacker mit riesigen Pranken stellte er mich scherzhaft als Mustafa vor. Im muslimisch geprägten Dorf passte es so gut das sogleich ein neuer Spitzname geboren war. Wir brachen in Lachen aus, der große, blonde, deutsche Mustafa wurde sogleich zum bosnischen Kaffee und schwarzen Wein zu den Großeltern geladen.

Nach der kurzen Stippvisite ging es weiter, bald sollte die erste Jagderkundung starten. Einem Bekannten der Familie gehörte eine riesige Fischzuchtanlage. Die Seen erstreckten sich über 5x3km. Dort wurde Fisch für die orthodoxen Christen zum Weihnachtsfest gezüchtet. Auf dem Privatgrund wurden wir zur Jagd geladen. Mit Samirs Jagdauto rumpelten wir eine Runde über das endlose Gelände. Hier sollten Morgen gejagt werden: alles was fliegt, außer Schwäne. Dobro! Auf dem Rückweg hielten wir an einer Bäckerei um etwas Abendessen zu erstehen. Diese machte gerade das Geschäft ihres Lebens. Der bosnische Rückreiseverkehr an der Grenze zu Kroatien, gesäumt von kilometerlangen Autoschlangen macht an der Bäckerei halt um den Reiseproviant aufzufüllen.

Kurz machten wir halt an der Familenkanzel. Die 12m hohe Kanzel mit Balkon und 300kg Ofen war ein Meisterwerk bosnischer Architektur. In der 3x3m messenden Kanzel auf 12m lagerte zudem noch Kohl. Der Kohl, in Salz eingelegt wurde für das Abendessen eingesackt. Mit einem Topf voller Kohl in der Hand fuhren wir zurück zu Samirs Haus. Die Stille der bosnischen Freiheit war magisch. Kein Auto, keine Sirene,nur frische Luft. Gestärkt von warmen Börek, maximal 1-3 Slipowitz und Salzkohl fuhren wir noch eine kleine Nachrjagd Runde um nach Schakalen Ausschau zu halten. Mit bester Nachtsichttechnik bewaffnet fuhren wir über die umliegenden Felder und hielten Ausschau. Einen Schakal bekam ich leider nicht zu Gesicht. Mustafa wird wohl das Glück an den anderen Tagen haben. Auch künstliches Hasenklagen lockte keinen Schakal aus seiner Deckung. Trotzdessen gut amüsiert und mit zunehmend bosnischem Wortschatz ging es zurück zur Jagd Burg. Nach einer ausspannenden Folge Game of Thrones vielen alle in die Betten. Um 05:30 sollte es zur Gänsejagd gehen. 


Flügelschlag im Schnee – Gänsejagd in Bosnien

03.01.2026 Weiße Tage

Der Schnee singt leise auf dem Land,

Flinten glänzen kalt in der Hand.

Flügel schneiden Morgenluft,

Pulver liegt wie Glück im Duft.

Wir fehlen oft und lachen mehr,

der Sturm verzeiht, das Herz wird leer

von allem, was zu Hause wiegt –

hier zählt nur, was im Augenblick liegt.

Kälte beißt, doch Freundschaft glüht,

ein Glas erhebt, was müde zieht.

Im weißen Feld, so frei, so weit,

wird Jagd zur reinen Lebenszeit.

Nach einer unruhigen Nacht, wachgehalten vom Nachbarhahn wachte ich um 5:20 Uhr von sanften Küchengeräuschen auf. Nach einem obligatorischen Kaffee wurden schnell die Jagdsachen angeschnallt. Als ich vermutete, dass es schneien würde, sagte Samir, dass es schon die ganze Nacht geschneit habe und sich mindestens fünf Zentimeter Schnee gelegt hätten. Als ich kurz durch den Vorhang der Küche schaute, glaubte ich kaum meinen Augen. Draußen waren Schneeflocken so groß wie Kinderfäuste, die sanft vom Himmel fielen. Der gesamte Boden war weiß. Ein kleiner Schockmoment erwartete uns, als wir entdeckten, dass unsere Schuhe komplett zugeschneit waren. Die muslimische Tradition sieht vor, die Schuhe vor dem Haus stehen zu lassen. Na toll – die Wanderstiefel waren klitschnass. Glücklicherweise passten mir die doppelt vorhandenen Jagdgummistiefel von Samir wie angegossen. Schnell wurden die Flinten ins Auto geladen, und wir rutschten durch den frisch gefallenen Schnee Richtung Fischteiche. Wann ich das letzte Mal einen solchen Schneefall erlebt hatte, konnte ich mich nicht erinnern. Im Scheinwerferlicht leuchteten die Schneeflocken wie Diamanten.

Als wir an den Fischteichen ankamen, dämmerte es bereits, und in der Entfernung hörte man lautes Geschnatter einer ganzen Armada an Gänsen. Über einen langen, schlammigen Wall ging es mitten in die Fischteiche hinein. Das Geschnatter wurde immer lauter, und nach ein bis zwei Hebeschüssen entbrannte ein wahres Meer an Flügelschlag. Gleich dem Rauschen eines Sturms flogen Gänse auf uns zu, und nun ging es Schlag auf Schlag: Klack, klack – die Schrotflinten feuerten ihre Bleiladungen in den Himmel, verfehlten ihre Ziele, aber auf wundersame Weise. Nach anderthalb Packungen Munition flog ein weißer Fischreiher über mich hinweg, und mit einem gezielten Schuss streckte ich meinen ersten Vogel. Leider fiel er ins Wasser und war somit unerreichbar.

Nach anderthalb Stunden Wildwest-Schießen sammelten wir uns wieder am Auto. Auch Samir hatte einen Reiher geschossen, Samir und Enes waren allerdings trotz Flügelgewitter leer ausgegangen. Auf dem Rückweg zum Haus fuhren wir entlang der Teiche, und auf einmal ein erneutes Klack: Enes schoss ein Nutria direkt vom Steuer aus – ein Schuss, und Ende. Glücklicherweise konnten wir das Nutria aus der Böschung ziehen. Als ich den Jungs versprach, dass dieses durchaus schmackhaft sei, landete es unter zweifelndem Gelächter im Kofferraum. Samir fuhr uns anschließend noch durch die umliegenden Felder des Dorfes, leider verfehlte ich einen weiteren Flug Enten und erntete daraufhin wohlmeinende bosnische Flüche.

Im Auto rumpelten wir durch die weiße Landschaft. Fasanen ließen sich nicht blicken, dafür aber Krähen, so groß wie Adler. Zum Frühstück gab es zahllose bosnische Teigspezialitäten, und auch ein Slivowitz durfte nicht fehlen. Da Samir sich krank fühlte, machten wir uns anschließend ohne ihn auf zur Fasanenjagd. Enes’ Deutsch-Kurzhaar leistete hierbei ganze Arbeit. Leider hatten sich die Fasanen durch den frisch gefallenen Schnee wohl in die tiefsten Deckungen zurückgezogen.

Als die Jungs im Auto kurz hielten, um nach Adlern Ausschau zu halten, erblickte ich fünf Meter neben uns im Gebüsch einen Fasan. Sofort wurde der Hund geschnallt, und wir umringten die Deckung. Nach kurzem suchenden Geläut durch Max flog der Fasan unter schneidendem Flügelschlag aus der Deckung. Trotz Automatik-Schrotflinte siebte ich vier Schuss in die Luft. Wieder verfehlt – verdammt. Im weiteren Verlauf des Mittags kämpften wir uns durch Deckung um Deckung. Am Ende hatten wir zwei Fasane gesichtet sowie eine Fasanenhenne, die allerdings auf der falschen Reviergrenze stand.

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden Fasanenjagd fuhren wir leicht erschöpft zurück zum Haus. Bei einem Kaffee holten wir kurz Luft. Mein Jagdeifer ließ die Jungs aber nicht lange ruhen: Kurz vor vier fuhren wir zu einer weiteren Jagd an den Fischteichen. Auf dem Weg dorthin begleitete uns zugleich ein weiteres Jagdauto. Als die beiden Jäger ausstiegen, kannten sich natürlich sofort wieder alle. Auch diese Bosnier waren nur auf Heimaturlaub und lebten in Deutschland. Gemeinsam spazierten wir im scheidenden Tageslicht erneut den Wall entlang. Alle Bosnier erklärten, warum sie ihr Land so liebten: Freiheit, gute Luft und ein Kopf frei von den Problemen der deutschen Heimat. Bei der schneidenden Kälte, dem Wind um die Ohren und dem Blick auf die Gänse konnte ich sie gut verstehen. Hier dachte man nicht über die Probleme des Alltags nach. Viel Flug entwickelte sich allerdings nicht, trotzdem war es ein schöner Abendspaziergang. Zugleich verabredeten wir uns für den nächsten Tag zur großen Schakaljagd. Für den kommenden Tag war eine große Jagd mit Hunden geplant, dort würden wir uns alle wiedersehen.

Erneut zu Hause angekommen, zogen wir uns schnell Jogginghosen an und machten uns auf zum Abendessenseinkauf. Im klassischen osteuropäischen Großsupermarkt gab es alles, was das Herz begehrte. Neben Waschmaschinen wurden eingelegter Kohl, frische Früchte und alles verkauft, was man sich nur denken konnte. Die Preise waren gut, und in unserem Kinder-Einkaufswagen sammelten sich zugleich die Einkäufe: Fleisch, Käse, Brot und Würstchen zum Grillen für den kommenden Jagdtag. Zum Abendessen gab es Hühnerflügel, welche in jedem gut sortierten osteuropäischen Supermarkt zu erstehen waren. Sie schmeckten hervorragend zu den im Airfryer zubereiteten Pommes, abgerundet von Salz, Kohl und einem Glas Slivowitz.

Für den Abend war noch eine kurze Abschlussjagd auf der Schlosskanzel geplant. Enes hatte bereits, während wir einkaufen waren, Feuer im Ofen gemacht. Als wir an der Kanzel ankamen, waren angenehme 25 Grad in der zwölf Meter hoch schwebenden Burg. Nur im Pullover, schön aufgeheizt, blickten wir mit der Wärmebildkamera in die bosnische Natur. Im Schnee regte sich allerdings keinerlei Tier. Als Samir und Enes zeitgleich laut zu sägen anfingen, war die Schakaljagd damit wohl besiegelt. Laut wie ein Sägewerk schnarchten die beiden um die Wette. Nach zwei Stunden waren wir mittlerweile alle so müde, dass wir uns auf zu Hause freuten. Enes wollte auf der Kanzel übernachten – sicher, sehr gemütlich –, aber unter der Gefahr, mit einem Sägewerk zu schlafen, machte ich mich doch lieber mit den Jungs auf den Heimweg. Nach einer abschließenden, erfrischenden Dusche fiel ich nach einem langen Jagdtag glücklich und zufrieden ins Bett.

Winterjagd-Jagen-Bosnien-und-Herzegowina-Schakal-Gaense-Gans-Schakale-Flinte-Fasane-Fasan-Jagd-Kanzel-scaled

Schakale, Schneesturm und die Nachtfahrt nach Tuzla

04.01.2026 Im Bann des Schnees

Der Schnee fiel schwer auf Wald und Feld,
als hätte Stille die Welt erhellt.
Mit kalten Flinten zogen wir los,
durch Frost, durch Wind, durch Schatten groß.

Der Navara fraß sich durchs weiße Land,
Äste schlugen hart wie Geisterhand.
Die Hunde schrien tief aus dem Busch,
Fasane brachen auf zur Flucht.

Doch Schakale blieben wie verweht,
vom tiefen Schnee hinausgedreht.
Nachts stand mein Wagen stumm im Eis —
da kam ein Fremder aus dem Weiß.

„Reverse“, sprach er im Flockenschein,
und führte mich durchs Dunkelsein.
Am Morgen hob der Flieger sacht —
Bosnien blieb wie ein Traum der Nacht.

Um 07:00 klingelte der Wecker, die Jungs waren schon wach und kochten Kaffee. Schnell die Jagdklamotten angeschmissen, Kontaktlinsen ins Auge bugsiert. Diese waren beim starken Schneefall von Vorteil, keine beschlagene Brille oder Schneeflocken die über die Gläser trieften und die Zielgenauigkeit beim Flintenschiessen sinken ließen. Um 08:00 waren wir zur großen Schakaljagd verabredet. Flinten und Munition ins Auto geschmissen und schon ging es durch eisige Kälte, mittlerweile 10cm Schnee und starken Flockenfall Richtung Treffpunkt. Dort angekommen warteten bereits zahllose in Orange gehüllte Jäger. Jedem wurde die Hand gegeben, Sanir sagte, ich sollte jeden Gruß einfach mit „Kakste“ erwiedern. Ich wusste zwar nicht was es hieß, dafür klappte es sehr gut. Es schneite weiter unablässig. Und schon ging es los. Wir fuhren hinter der aufgemotzten Jagdkarre eines Jägers hinterher. Der Nissan Navara auf Testosteron pflügte durch die kleine Waldschneise ohne Gnade. Wir rumpelten hinterher. Solch eine Fahrt hatte ich noch nicht erlebt. Samir steuerte uns zuverlässig durch die tiefen Schneisen den der Navara in den Boden zog. Stämme und Äste polterten auf den Wagen ein, ein echtes Abenteuer. An einer Dickung angekommen stiegen wir aus und umstellten das Gewirr aus 3m hohem Buschwerk. Dies war überall dort gewachsen, wo vor dem Krieg Weizen gestanden hatte. Jetzt sei es nurnoch wildes Buschland. Früher habe man sich innerhalb von 30km nirgendswo höher als Brusthöhe verstecken können, der Weizen hätte bis zum Horizont gestanden, sagte Samir traurig. Die Natur holt sich alles zurück.

Die Hunde wurden in das wilde Astwerk geschickt und ein wildes Geläut begann. Es schneite und schneite, die Füße wurden kalt in den etwas zu engen Gummistiefeln. Alle 40m hatte sich ein Jäger postiert. Plötzlich zog ein flach fliegender Fasan 40 m entfernt von mir aus der Deckung und flog wie ein Sturzkampfbomber in die nächste Deckung. Ein Schuss krachte, der Vogel blieb aber unbehelligt. Später flogen zwei weitere Fasane aus. Vor meine Flinte flog keiner. Nach ca 1 Stunde wechselten wir die Dickung. Unsere wilde bosnische Truppe fuhr aber bald zur Jagdhütte zurück. Beim Rückwärts einparken rumste es kurz. Im völlig verschneiten Auto war die Sicht nicht gut. Samir war rückwärts mit der Anhängerkupplung in ein anderes Jagdauto gefahren. Schnell bildete sich eine Gruppe Jäger um den kleinen Unfall, halb ernst, halb lachend wurde diskutiert. Der „Unfallgegner“ wurde herbeigerufen und nach einem kurzen Wortwechsel wurden ihm 30€ in die Hand gedrückt. Schaden beglichen auf bosnische Art. Am Feuer in der Jagdhütte wärmten wir uns auf. Ich fragte mich wann es weiter ging, da sagte Samir, die Jagd sei beendet. Wieso? Allrad kaputt! Was? Beim Maneuver schien die Allradübersetzung gebrochen zu sein. Ich hatte es nicht einmal bemerkt, das Risiko für ein Steckenbleiben im 20cm Schneeschlamm war aber zu hoch. So fuhren wir gemütlich zu unserer Jagdburg. Später am Abend erreichte uns die Nachricht, dass auch die anderen Jäger keinen Erfolg hatten. Der Schnee war zu hoch und das Wild dadurch nicht austrittsbereit. So ist Jagd. Ich hatte viel erlebt, für den Geschmack meiner Gastgeber allerdings nicht genug. Abend wurde eine weitere Runde durch die umliegenden Wälder und Felder der Dörfer gedreht um erneut Schakale zu suchen. Die Schakale waren aber von der Bildfläche verschwunden.

Es schneite und schneite und schneite.

Mittlerweile machte ich mir Sorgen über die Straßenverhältnisse, ging mein Flug doch um 6 Uhr morgens im 130 km entfernten Tuzla. Mein Gott. Es schneite seit 3 Tagen und die kleinen Landstraßen mussten mittlerweile völlig zugeschneit sein. Nach einigem hin und her beraten entschied ich mich schon um 23:00 mich auf Richtung Flughafen zu machen. 5h sollten genug Zeit für die Strecke sein. Nach einem schönen letzten Abendessen und weiteren guten Gesprächen verabschiedeten wir uns herzlich und ich machte mich auf in mein Solo Abenteuer Richtung Flughafen. Der kleine Peugeot pflügte Anfangs sehr gut durch die völlig eingeschneite Landschaft. Auf der Landstraße lag der Schnee 20cm hoch. Glücklicherweise hatte der Wagen Frontantrieb. Vorbei ging es an von Lichterketten behangenen Grundstücken. Die bunten Lichterketten blinkten magisch im weißen Schneegestöber. So etwas hatte ich lange nicht erlebt. In einem Kreisverkehr rutschte mir der Wagen zu allem Überfluss noch in eine Schneewehe. Glücklicherweise hatte ich vor der Abfahrt am Flughafen Doku-Fotos geschossen und somit dokumentiert, dass der Wagen von Anfang an einen kleinen Schlag an der Frontschürze hatte. Als ich an einem steilen Berg in einem Dorf ankam war es soweit. Der Wagen rutschte und kam mit durchdrehenden Reifen an einem Hang zum stehen. Mist, 01:30 und Ich stand mitten im eingeschneiten nirgendwo und kam den Berg nicht hoch. Plötzlich rauschte ein BMW mit getönten Scheiben an mir vorbei und hielt kurz vor mir.

Ein junger Mann stieg aus und kam zu mir: nach kurzer Verständigung, dass ich dem bosnischen nicht mächtig war, wechselten wir ins englische: „I will go another way to Tuzla“, „There is no other way“. Schluck. „U put Traction control to off?“, „No!“, der Helfer griff von außen in mein Auto und zusammen fummelten wir die Traktionskontrolle aus. „You have to go in Reverse“. „I will try“. Ich drehte das Auto und mit ausgeschalteter Traktionskontrolle fuhr ich nun im Rückwärtsgang den 1km Berg hoch. In Schlangenlinien bekam der Wagen Traktion und es klappte. Gott sei Dank, darauf wäre ich alleine nicht gekommen. Der Engel welcher mir gesandt wurde begleitete mich den Berg hoch und die nächsten 5 km mit Warnblinkern. In Deutschland hätte ich wohl lange darauf warten können. Nach 4 Stunden hochkonzentrierter Fahrt kam ich völlig erschossen am Flughafen an. Die parkenden Autos am Flughafen waren mit einem halben Meter Schnee bedeckt. Sowas hatte ich noch nicht erlebt. Ich bangte ob den mein Flug gehen würde, sonst würde ich sprichwörtlich in der Scheiße sitzen. Erfreulicherweise startete der Flieger nach vorheriger Enteisung punktgenau um 06:30. Was für ein Abenteuer. 3 Tage Jagd in Bosnien, Gastfreundschaft, wilder Westen im Schnee, gutes Essen und alte und neue Freunde, meine Erwartungen waren übertroffen worden.

Schneesturm-Bosnien-Tuzla-Flughafen-Jagen-Winterjagd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.